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Glossar

Was ist Agentic Commerce?

Agentic Commerce bezeichnet Handelsprozesse, bei denen KI-Agenten im Auftrag von Kundinnen und Kunden Produkte recherchieren, vergleichen, auswählen und Kaufprozesse abwickeln, einschließlich der Autorisierung und Bezahlung. Technische Voraussetzung schaffen offene Standards und Schnittstellen, die Produktkataloge und Datensysteme der Händler, Payment Service Provider (PSP) und KI-Plattformen miteinander verbinden. Agentic Commerce ist ein zentrales, schnell wachsendes Anwendungsfeld von Agentic AI.

Agentic Commerce Definition, Begriffe und Abkürzungen

Technische Voraussetzungen für Agentic AI im Handel

Wie funktioniert Agentic Commerce?

Als Anwendungsfeld von Agentic AI ist Agentic Commerce in erster Linie eine technische Disziplin, die von Handelsorganisationen entsprechende IT-Anpassungen in der Commerce-, Payment- und Backend-Infrastruktur einfordert. Je nach Reifegrad können KI-Agentensysteme Prozesse entlang der kompletten Einkaufs-Journey automatisieren: von der Produktsuche und Zusammenstellung des Warenkorbs (Checkout) bis zur digitalen Zahlung und vollständigen Abwicklung der Transaktion.

Dabei arbeiten mehrere Agenten, die auf unterschiedliche Aufgaben und Funktionen spezialisiert sind, in einem orchestrierten System zusammen. Im Auftrag menschlicher Anwenderinnen und Anwender recherchieren, vergleichen und empfehlen die Agents Angebote und Produkte, beziehen Rabatte und Promotionen, Lieferzeiten, Versand- und Zahlungsoptionen ein, lösen den Kauf technisch aus und autorisieren Zahlungen. Die einzelnen Abläufe werden über offene, plattformunabhängige Standards geregelt.

Was sind die wichtigsten Protokolle & Standards im Agentic Commerce?

Um agentengestützte Prozesse unabhängig von der eingesetzten Commerce- und KI-Plattform zu ermöglichen, entsteht seit Ende 2024 ein wachsendes Ökosystem offener, herstellerneutraler Protokoll-Standards, die spezifische Abläufe regeln, z. B.

  • den Datenzugriff auf relevante Quellen und Systeme (Produktkatalog, PIM, ERP, CRM) mittels MCP
  • den Kaufabschluss zwischen Agent und Händlersystem mittels ACP und UCP
  • die sichere Zahlungsabwicklung über kryptografisch signierte Mandate mittels AP2
  • die Koordination zwischen den unterschiedlichen KI-Agenten mittels A2A

Wichtig für die IT-Roadmap: Datenbasis, Checkout- und Digital-Payment-Ebene lassen sich unabhängig voneinander vorbereiten, sollten aber von Anfang an multi-protokollfähig ausgelegt sein.

Auf einen Blick: ACP, UCP und MCP im Vergleich

ACP UCP MCP
Definition Standard für Käufe, die ein KI-Agent direkt im Chat abschließt Standard für die Verbindung von Händlerkatalogen und Checkout mit KI-Agenten im Google-Ökosystem universelle Schnittstelle für die Verbindung von KI-Assistenten mit internen Unternehmenssysteme zur Regelung von Datenzugriffen
Initiator OpenAI, Stripe Google Anthropic
Ziel Dialogbasierter Assistent (ChatGPT) erweitert um Commerce-Funktionen Google Such- & Shopping-Infrastruktur erweitert um agentische Funktionen „USB-Standard für KI": modellunabhängige Integrationsschicht
Start 09/2025 (Pilot Instant Checkout) 01/2026 12/2024
Status „Instant Checkout" zurückgefahren; Protokoll wird in der ACA weiterentwickelt Im Rollout, wachsende Anbieterzahl Breit adaptiert unter der Agentic AI Foundation (u. a. OpenAI, Google, Microsoft, Anthropic
Vorteile Kauf bleibt im Chat; starke Sicherheitsarchitektur (Tokenisierung, Echtzeit-Betrugserkennung, Ausgabenlimits); breite Unterstützung durch ACA-Mitglieder Direkter Zugriff auf Googles Reichweite (Suche, Gemini, Shopping-Graph); breite Payment-Anbindung von Beginn an Geringere Anbieterabhängigkeit; schnellere Time-to-Market durch wiederverwendbare Schnittstellen; macht interne Daten zur Plattform für neue Service- & Verkaufskanäle
Einsatz Händler mit Fokus auf ChatGPT/Conversational Commerce, Stripe-Bestandskunden Händler mit hoher Relevanz in Google-Suche/Shopping, Multi-Payment-Szenarien Anbindung von Produktkatalogen, CRM und ERP an KI-Agenten (Infrastruktur-Ebene), nicht für den Checkout-/Zahlungsmoment

Digitale Zahlungen & Betrugsprävention

Was bedeutet Agentic Commerce für Digital Payment & Sicherheit im Handel?

Agent-Ready Catalog

Welche Rolle spielt PIM im Agentic Commerce?

Das Product Information Management (PIM) ist die zentrale Systemebene im Agentic Commerce: Als „Source of Truth“ liefert ein PIM-System die strukturierte Datenbasis, mit der KI-Agenten ein Produkt zuverlässig finden, verstehen und empfehlen können. Im PIM-System werden Produktdaten aus unterschiedlichen Quellen konsolidiert, normalisiert und für die Ausgabekanäle bereitgestellt. Vollständige, konsistente und aktuelle Produktattribute machen einen Katalog für Sprachmodelle zugänglich und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, in KI-Antworten von LLMs (wie ChatGPT und Gemini) aufzutauchen. PIM ist somit eine zentraler Baustein für die LLM-gestützte Discovery im Agentic Commerce.

KPIs, GEO und Performance-Metriken

Wie misst man den ROI von Agentic Commerce?

Für die Erfolgsmessung im Agentic Commerce müssen Marketing-, Vertrieb- und Service-Teams von Handelsorganisationen neue Kennzahlen etablieren, z. B. Agent-Referrals, Agent-Traffic-Anteil und die Auswertung von Konversationspfaden bis zum Kauf. Diese Erhebungen sind bislang oft nur in Kooperation mit KI-Plattformanbietern oder spezialisierten Tracking-Tools möglich.

CRM, Personalisierung & Loyalty

Wie beeinflusst Agentic Commerce Kundenbeziehungen?

Wenn KI-Agenten im Auftrag von Kundinnen und Kunden mit Marken interagieren, gewinnt das Customer Relationship Management (CRM) an Bedeutung. Durch die tägliche Nutzung von KI-Assistenten gewöhnen sich Menschen zunehmend daran, in Sekundenschnelle treffgenaue Antworten zu erhalten, die exakt zu ihrer Situation und Frage passen. Diese Gewohnheiten verändern auch die Ansprüche und Qualitätsmaßstäbe in der Kommunikation von Marketing, Sales, Service und Support.

Agentic AI birgt dabei entlang aller Touchpoints Potenziale für tiefere Personalisierung und somit für stärkere, nachhaltigere Kundenbeziehungen: Beispielsweise erfüllen Self-Service-Agenten, die wiederkehrende Anfragen (z. B. Bestellstatus, Retouren und Garantien) automatisiert und in Echtzeit beantworten, steigende Erwartungen an sofortige, individuelle und kontextbezogene Lösungen. Ein Vertriebsagent, der den vollständigen Kundenkontext, Produktdaten und Verfügbarkeiten einbezieht, kann personalisierte Empfehlungen ausspielen und Bundle-Angebote ableiten. Unabhängig davon, ob gerade eine KI oder ein Mensch antwortet, muss die Erfahrung aus Kundensicht als konsistent und frei von Medienbrüchen wahrgenommen werden. Zwei zentrale Voraussetzungen dafür sind:

  1. Kanalübergreifendes CRM: Eine konsolidierte Datenbasis ermöglicht 360-Grad-Einblicke in Kundenprofile, Kaufhistorie, Interessen, Interaktionen und Kontext.
  2. Teamwork von KI und Mensch: Komplexe Anfragen oder Eskalationen müssen von KI-Agenten als solche erkannt und mit vollständigen, korrekten Informationen an menschliche Fachkräfte übergeben werden.

Strategie, Skills und Governance

Wie sieht eine praxisnahe Agentic Commerce Roadmap bis 2028 aus?

Eine praxisnahe Roadmap für die nächsten 12 bis 24 Monate baut auf drei Handlungsfeldern auf, die nacheinander umgesetzt werden sollten:

  1. Technische Auffindbarkeit für KI-Agenten: Vollständige, maschinenlesbare Produktdaten und eine API-first-Architektur, die Systemsilos zwischen POS, E-Commerce, Logistik und CRM schließt, bilden das Fundament für Agentic Commerce, unabhängig von Sortiment oder Marketingbudget.
  2. Marken- und Plattformpräsenz: Generative Engine Optimization (GEO) für bessere Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten, gezielte Partnerschaften mit KI-Plattformanbietern, einschließlich Data-Agreements und Ausstiegsoptionen zur Sicherstellung digitaler Souveränität sowie die Vorbereitung medienbruchfreier Payment-Integration.
  3. Priorisierter Use Case: Für den Einstieg empfiehlt sich ein überschaubarer, schnell umsetzbarer und leicht messbarer Anwendungsfall, beispielsweise der Aufbau eines Conversational Agents im Shop für die personalisierte Kaufberatung und Verbesserung der Servicequalität.

Zusammenfassung: Agentic Commerce in 5 Sätzen

AI Summary | Das Wichtigste in Kürze

Zusammenfassung zu Agentic Commerce: Definition, Funktionsweise, technische Basis (PIM), GEO und KPIs für die Erfolgsmessung von Agentic AI im Handel.

  • Definition: Agentic Commerce beschreibt den Einsatz von KI-Agenten im digitalen Handel und ist ein schnell wachsendes Anwendungsfeld von Agentic AI.

  • Funktionsweise: Spezialisierte KI-Agenten übernehmen definierte Aufgaben im Einkaufsprozess (Produktsuche, Checkout, Autorisierung, Bezahlung und Abwicklung der Transaktion)

  • APIs: Offene, herstellerneutrale Protokolle regeln die automatisierten Abläufe, etwa den Datenzugriff (auf PIM, ERP, CRM), den Kaufabschluss, die Absicherung der digitalen Zahlung und Koordination zwischen mehreren Agenten.

  • Technische Basis: PIM und maschinenlesbare Produktdaten machen einen Katalog für KI-Agenten auffindbar und sind maßgeblich für Sichtbarkeit in KI-Antworten (GEO).

  • KPIs: Agent-Traffic-Anteil, Agent-Referrals und Konversationspfade bis zum Kauf sind relevante Kennzahlen für die Erfolgs- und Performance-Messung im Agentic Commerce.

Weiterführende Links & Quellen