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SAP Sapphire 2026 – der Weg zum Autonomous Enterprise

Sascha Göpfert

9. Juni 2026

Vorstellung des Autonomous Enterprise auf der SAP Sapphire 2026

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Ein paar Tage Abstand zur Sapphire tun gut – jetzt sortieren sich die Eindrücke. Als Head of SAP AI bei valantic besuche ich solche Events mit einer gesunden Portion Skepsis. Diesmal kam ich überrascht zurück. Aus dem Flickenteppich einzelner KI-Features ist eine Strategie geworden. Ihr Name: Autonomous Enterprise.

Der eigentliche Mindshift: vom Assistenten zum KI-Agenten

Die wichtigste Botschaft war kein Produkt, sondern ein Umdenken. Bisher galt KI als netter Assistent: Sie schlägt vor, der Mensch macht. SAP dreht das um. Im Autonomous Enterprise geben Menschen die Richtung vor, und Joule Assistants orchestrieren ganze Teams aus Joule Agents, die die Routinearbeit über SAP und Nicht SAP Systeme hinweg eigenständig erledigen.

Das ist ein Architekturwechsel. Man beschreibt einfach in natürlicher Sprache, was man erreichen will – und ein abgestimmtes Agenten-Team setzt es um. Für unsere Kunden heißt das: weniger manuelle Übergaben, kürzere Durchlaufzeiten und Prozesse, die sich selbst optimieren.

Grafische Darstellung der Elemente des Autonomous Enterprise von SAP
Die wichtigsten Elemente des Autonomous Enterprise von SAP

Joule Work: die zweite Chance für Joule

Jetzt mal ehrlich: Joule war bisher kein Publikumsliebling. Die Idee war gut, aber Akzeptanz und Nutzung blieben hinter den Erwartungen zurück. Genau deshalb finde ich Joule Work als wichtiger Teil des Autonomous Enterprise so spannend – das könnte der Wendepunkt sein.

Der Clou sind die Spaces: dynamische Arbeitsbereiche, die sich in Echtzeit an die Absicht der Nutzer anpassen, statt sie durch x fragmentierte Masken zu schicken. Das ist echte Innovation, nicht nur ein neues UI. Mindestens genauso wichtig ist die Offenheit: Über bidirektionales A2A und MCP können auch fremde Agenten sicher Joule Agents aufrufen – und umgekehrt. SAP macht Joule damit vom geschlossenen Assistenten zum offenen Dirigenten. Genau der Unterschied, der über Akzeptanz entscheidet.

Joule Studio: die Werkbank für agentische Lösungen

Mein Highlight ist das neue, von SAP verwaltete Joule Studio – die Werkbank im Automonous Enterprise, auf der Agenten, Apps, Erweiterungen und Workflows entstehen. Das Beste daran: Entwicklung startet nicht mehr beim leeren Blatt, sondern bei der Geschäftsabsicht.

Man beschreibt das Ziel in natürlicher Sprache, Joule Studio reichert es mit dem Architekturkontext der Organisation an – gestützt auf SAP Domain Models und den SAP Knowledge Graph – und liefert daraus Spezifikation, Code und Tests. Entwickler bleiben in gewohnten Tools wie VS Code, mischen Low-Code und Pro-Code und nutzen Frameworks wie LangGraph oder AutoGen. Über Partner wie n8n und NVIDIA bleibt die Plattform offen statt geschlossen.

SAP Business Data Cloud: ohne Daten keine Autonomie

So beeindruckend die Agenten im Autonomous Enterprise sind – ohne verlässliche Daten bleiben sie Spielerei. Deshalb ist die SAP Business Data Cloud (BDC) mindestens so wichtig wie die Agenten.

Der spannendste Baustein: der SAP Knowledge Graph. Er liefert verwaltete Ontologien, mit denen Joule Prozesse, Beziehungen und Kontext im Unternehmen versteht. Dazu ist SAP HANA Cloud jetzt nativ in der BDC – als KI-Datenbank, die Vektoren, Graphen und relationale Daten mit Geschäftskontext zusammenbringt.

SAP Business AI Platform: das Fundament für alles

Joule Studio und SAP BDC stehen auf der SAP Business AI Platform – dem Fundament, das Daten, Modelle und Governance zusammenführt. Hier laufen die SAP Domain Models, das tabellarische Modell SAP-RPT-1.5 und der SAP AI Agent Hub, mit dem sich Agenten unternehmensweit und herstellerübergreifend steuern lassen.

Aus valantic Sicht besonders spannend: SAP und Anthropic rücken enger zusammen, Claude wird künftig als zentrale Reasoning- und Agenten-Engine über das SAP Portfolio eingebettet. Mit Souveränitätsoptionen wie Mistral und Cohere North wird klar: Governance und Wahlfreiheit beim Modell sind kein Nachgedanke, sondern Designprinzip.

Der Haken: Cloud ist Pflicht, Kultur der echte Blocker

Den Großteil dieser KI-Vorteile gibt es nicht im On-Premise-Setup – fast alle Innovationen und damit das Autononous Enterprise hängen an den Cloud-Produkten von SAP: SAP Cloud ERP, SAP BDC, Business AI Platform. SAP hat zwar angedeutet, dass unter Umständen auch On-Premise-Kunden ausgewählte KI-Funktionen bekommen könnten; welche das sein werden und wie viele Unternehmen es betrifft, bleibt aber abzuwarten. Wer die Effekte heute heben will, kommt um eine konsequente Cloud-Strategie und das Ausrollen dieser Produkte nicht herum.

Der Engpass bei Innovationen liegt aber selten in der Technik, sondern bei Change-Management und Kultur. So auch im Autonomous Enterprise. Wenn Agenten eigenständig handeln, verschieben sich Rollen, Verantwortlichkeiten und Vertrauen. Mitarbeitende müssen lernen zu delegieren und zu überwachen, statt jeden Klick selbst zu machen. Ohne Befähigung, Transparenz und eine Kultur, die KI als Teamkollegen akzeptiert, bleibt auch das beste Agenten-Setup ungenutzt.

Die Kundenvorträge? Einfach wow!

Am meisten hängengeblieben sind aber zwei Retail-Beispiele. Das Textilhandelsunternehmen H&M zeigte zwei produktive Lösungen: einen Store Intelligence Agent, der aus Echtzeitsignalen Handlungsempfehlungen für FilialleiterInnen erzeugt, und einen kundenseitigen InStore Concierge, der live ein komplettes Outfit empfahl. EssilorLuxottica, ein weltweit operierendes augenoptisches Unternehmen, ging mit Wearables weiter: Mit Joule verbundene Smart Glasses unterstützten eine Verkäuferin im Kundengespräch – Kundenprofil scannen, Bestellhistorie abrufen und eine Sonnenbrillen-Bestellung sprachgesteuert neu aufsetzen, orchestriert von mehreren Agenten. Nicht als Experiment, sondern als Tagesgeschäft – das hat das Autonomous Enterprise greifbar gemacht.

Was das für SAP Kunden bedeutet

Mit der Ankündigung des Autonomous Enterprise ist die Richtung klar. Jetzt zählt die Umsetzung: der Weg in die Cloud, ein sauberer Daten-Layer in der BDC, ein durchdachtes Governance-Modell für Agenten – und Use Cases mit echtem Geschäftswert statt KI um der KI willen.

Genau hier setzen wir bei valantic an: von der Cloud- und Datenstrategie über die Architektur bis zum produktiven Agenten und den Menschen dahinter. Der Mindshift ist eingeläutet, der Weg zum Autonomous Enterprise eröffnet. Jetzt geht’s ans Machen.

Verfasst von

Sascha Göpfert, Head of SAP AI bei valantic

Sascha Göpfert

Senior Manager und Leiter SAP AI

valantic

Sascha ist Head of SAP AI bei valantic und Experte für KI sowie Software Development.

SAP Analytics Manager & Lead CoE SAP Data Warehouse bei valantic

Marcel Beckmann

Head of SAP BDC

valantic

Marcel ist unser Experte für die SAP Business Data Cloud und leitet das Center of Excellence SAP Data Warehouse bei valantic.

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