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Mehr über uns erfahren25. Juni 2026
Ein Montagmorgen bei einem mittelständischen Maschinenbauer: Ein Zulieferer meldet Verzug bei einem Bauteil. Ein Eilauftrag drängt in die Pipeline. Zwei weitere Aufträge konkurrieren um dieselbe Maschine. Eine Mitarbeiterin gleicht die Lage in mehreren Excel-Tabellen ab, telefoniert mit der Produktion und trifft eine Entscheidung, die in zwei Stunden schon wieder überholt ist. Szenen wie diese gehören in vielen Fertigungsunternehmen zum Betriebsalltag. Und genau bei solchen Herausforderungen verspricht Künstliche Intelligenz Abhilfe.
Schon heute rangiert KI in der Fertigungsbranche auf Platz 1 der wichtigsten Technologien, so ein zentrales Ergebnis im Digital Excellence Outlook 2026* von Handelsblatt Research Institute und valantic. Rund 82 Prozent der Studienbefragten sind überzeugt, dass KI bis 2030 der relevanteste Technologie-Trend ist.
Die Hoffnungen sind groß. Doch zwischen Ambition und produktivem KI-Einsatz klafft eine deutliche Lücke: Obwohl die Hälfte der Fertigungsunternehmen KI als zentralen Strategiebaustein sieht, setzen bislang nur 41 Prozent die Technologie umfassend und strategisch ein. Die Mehrheit experimentiert mit einzelnen Pilotprojekten in isolierten Abteilungen.
Diese Realität spiegelt sich auch in unseren Gesprächen mit Kunden und Entscheidungsträgern der Branche wider. Die Frage lautet kaum mehr „Was kann KI?“, sondern „Wo sollten wir anfangen, damit sich KI wirklich rechnet?“
Die folgende Einschätzung ordnet zentrale Erkenntnisse der Studie ein und priorisiert KI-Anwendungen, deren Nutzen den Aufwand schon heute rechtfertigen.
Gleich vorweg: Die Prioritäten von Fertigungsunternehmen weichen in der Studie deutlich von denen des untersuchten Gesamtmarkts ab. Der klare Fokus im produzierenden Gewerbe liegt bei operativen und produktzentrierten Use Cases. Vier Bereiche, in denen sich die stärksten KI-Potenziale abzeichnen:
In der Fertigung ist das Angebot oft das Nadelöhr. Komplexe, spezialisierte Produkte, lange Stücklisten, technische Klärung mit der Konstruktion: Bis ein solides Angebot beim Kunden liegt, vergehen Tage bis Wochen. KI in seiner jüngsten Evolutionsstufe – Agentic AI – bringt hier unmittelbaren Mehrwert: Autonome Agenten interagieren mit anderen Systemen, bereiten Entscheidungen vor, führen datengetrieben Aktionen aus.
Sowohl hinsichtlich der Relevanz (91 Prozent) als auch im Einsatz (56 Prozent) liegt die Produkt- und Anwendungsentwicklung bei den Studienbefragten auf Platz 1. Bedeutet: Die Branche hält diesen Use Case nicht nur für wichtig, sondern setzt ihn bereits im großen Maßstab um. KI-Agenten können beispielsweise Spezifikationen aus dem Product Lifecycle Management (PLM) ziehen, diese mit Preis- und Verfügbarkeitsdaten abgleichen und daraus einen Angebotsentwurf erstellen, den Vertriebsmitarbeitende nur noch überprüfen müssen.
Das margenstärkste Geschäft in der Fertigung ist nicht immer der Verkauf von Maschinen und Anlagen. Es ist der langfristige Serice. Schneller, fachkundiger Support bei Störungen, einfache Nachbestellung von Ersatz- und Verschleißteilen, Termintreue bei Lieferungen und vorausschauende Wartung:
All das setzt dynamische Verfügbarkeits- und Machbarkeitslogiken voraus, also Echtzeit-Prüfungen, die bestätigen, ob ein Auftrag zum gewünschten Termin lieferbar ist (Available to Promise, ATP) und ob Kapazitäten vorhanden sind, um den Auftrag zu erfüllen (Capable to Promise, CTP). Beide Logiken müssen Material-, Kapazitäts- und Logistikplanung simultan berücksichtigen. Auch hier kann KI entlasten: Sie prüft und analysiert in Echtzeit, erkennt Muster und Engpässe, macht Vorschläge und passt Lieferversprechen dynamisch an – schneller und granularer als jedes regelbasierte System.
Monatsplanungen mit statischen Excel-Tabellen können die Volatilität der Märkte strukturell nicht mehr abbilden. KI-gestützte, restriktionsbasierte Planungstools ersetzen diese statische Logik durch adaptive, ereignisgetriebene Pläne. Auch diese KI-Potenziale werden gesehen: Die Optimierung der Lieferkette zählt für 91 Prozent der Industrieunternehmen zu den wichtigsten Anwendungsfällen. Doch nur rund 49 Prozent der Studienbefragten setzen KI für das Supply Chain Management bereits ein.
Was in vielen Fällen fehlt: eine zentrale, verbindende Datenbasis als Single Source of Truth zwischen allen relevanten Systemen und Prozessen, etwa zwischen Advanced Planning and Scheduling (APS), Enterprise Resource Planning (ERP) und Manufacturing Execution System (MES).
Wie die KI-optimierte Produktionsplanung in der Praxis gelingen kann, zeigt unser Projekt mit MAN Energy Solutions: Über das APS-System waySuite verbindet das Unternehmen IT-gestützte Planungsprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Angebot, Projektmanagement, Engineering, Produktions- und Personalplanung, Beschaffung, Disposition, Lieferanten-Tracking bis Test und Montage.
KI ersetzt keine Fachkräfte, sondern multipliziert deren Wirkung. KI-Assistenten können die Wissensarbeit unmittelbar vereinfachen, indem sie technische Dokumentationen aufbereiten, Recherchen und Routineaufgaben zur Minutensache machen.
Laut Studie verfügen derzeit nur 46 Prozent der Industrieunternehmen über fortgeschrittene KI-Kompetenzen und investieren regelmäßig in deren Ausbau. 49 Prozent geben an, sich erst schrittweise Grundlagen aufzubauen. Was dabei besonders wichtig ist: der Whitebox-Ansatz. KI-Vorschläge für die softwaredefinierte Konstruktion und Entwicklung müssen nachvollziehbar sein, damit Ingenieurinnen und Ingenieure ihnen vertrauen.
Der stärkste Befund der Studie betrifft nicht einzelne Use Cases, sondern den KI-Reifegrad der Unternehmen. Je nachdem, wie tief die Technologie in einer Organisation integriert und verankert ist, kann sie ganz unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Bislang bescheinigen sich nur 30 Prozent der befragten Produzenten laut Selbsteinschätzung eine hohe KI-Reife – deutlich weniger als der Gesamtmarkt mit durchschnittlich 36 Prozent. Doch bei diesen wenigen Vorreitern wird das KI-Potenzial besonders greifbar:
Sie verzeichnen in rund 82 Prozent der Fälle einen Zeitgewinn, 76 Prozent Qualitätsverbesserungen im Ergebnis und 73 Prozent Effizienzsteigerung. Bei Unternehmen, die im experimentierenden Mittelfeld verharren, sinken diese Angaben auf rund 66 Prozent (Zeit), 68 Prozent (Qualität) und 69 Prozent (Effizienz).
Der branchenweite Durchschnitt wird durch das große Mittelfeld nach unten gezogen. Darin steckt die eigentliche Erkenntnis: Über den Erfolg entscheidet nicht das KI-Modell, sondern die KI-Readiness der Organisation. Daten, Prozesse, Rollen und klare Verantwortlichkeiten müssen für KI vorbereitet sein.
Drei Erkenntnisse aus der Studie müssen in dieser ganzheitlichen Einordnung ebenfalls erwähnt werden:
Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt nicht an Grenzen der Technologie. Sie resultiert aus strukturellen Engpässen: der Tiefe der Integration, der Priorisierung und Entscheidungskompetenz in Organisationen.
Drei Learnings aus der Studie, die sich auch in realen KI-Projekten bewährt haben:
Die KI-Modelle sind reif, viele Anwendungen im Einsatz erprobt und Erfolgsbeispiele bei Vorreitern der Branche zeigen, dass der Übergang vom Pilotprojekt in den produktiven Regelbetrieb längst machbar ist. Was zählt: nicht dem lautesten Trend nachjagen, sondern analysieren und ehrlich abwägen, welcher Use Case mit der vorhandenen Datenlage, den internen Ressourcen und KI-Kompetenzen vereinbar ist, um es aus der Experimentierphase heraus in den produktiv skalierbaren Einsatz zu schaffen.
Wissen in Vorsprung verwandeln: Wo steht Ihre Organisation?
Planungsexzellenz zählt: Unsere Metastudie inklusive Readiness-Assessment und Plan-to-Win Framework liefert einen strukturierten Fahrplan, um KI-Potenziale zu nutzen und in 90 Tagen erste Ergebnisse zu erzielen.
Fabian Littau
Director Industry Business | Prokurist
valantic
*Die Ergebnisse im Digital Excellence Outlook 2026, den valantic in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institute veröffentlicht hat, basieren auf einer quantitativen Befragung von mehr als 1.000 Führungskräften von Unternehmen der DACH-Region, darunter 312 Verantwortliche aus der Fertigungs- und Produktionsbranche, ergänzt durch qualitative Tiefeninterviews mit C-Level-Stimmen internationaler Konzerne.
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