Skip to content
Blog

Serviceportal im B2B: Wie IoT, KI und User Hubs die Kundenbindung neu definieren

Customer Experience
  • Business-to-Business (B2B)
  • Internet der Dinge (IoT)
  • Interview
Gregor Elsbeck

4. November 2025

Maria Kern, Digital Experience Architect bei valantic, erklärt im Interview, worin sich moderne Serviceportale von klassischen Onlineshops unterscheiden und warum IoT und KI dabei Schlüsselfaktoren sind.

Diesen Artikel teilen

Ein Serviceportal, auch User Hub genannt, wird im B2B-Commerce immer mehr zum zentralen Element digitaler Kundenerlebnisse. Es bündelt Vertrieb, Service und Kommunikation in einer Plattform – und schafft damit mehr Effizienz und Nähe zum Kunden. Maria Kern, Digital Experience Architect bei valantic, erklärt im Interview, worin sich moderne Serviceportale von klassischen Onlineshops unterscheiden und warum IoT und KI dabei Schlüsselfaktoren sind.

Liebe Maria, welchen Mehrwert bietet ein Serviceportal im Vergleich zu herkömmlichen Onlineshops?

Maria Kern: Ein Onlineshop konzentriert sich im Wesentlichen auf den Kauf und die Abwicklung von Bestellungen – ein Serviceportal geht jedoch deutlich weiter: Es dient als zentraler Zugangspunkt für alle Kundeninteraktionen. Neben Bestellungen und der Bereitstellung von Dokumenten werden hier zusätzliche Services angeboten, wie die Verwaltung von Geräten oder Verträgen, das Anlegen von Supportfällen, die Buchung von Wartungen oder die direkte Kommunikation mit dem Anbieter. So entsteht eine durchgängige Customer Experience, die weit über den reinen Einkauf hinausreicht.

Was bedeutet das sowohl für Kunden als auch für Unternehmen?

Beide Seiten profitieren gleichermaßen von User Hubs. Kunden erhalten rund um die Uhr Zugriff auf Informationen und Services. Unternehmen gewinnen Einblicke in das Verhalten und die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen. Durch die Integration mit CRM- und ERP-Systemen lassen sich Prozesse automatisieren und Bearbeitungszeiten verkürzen.

Ein weiterer Vorteil: Für die täglichen Aufgaben und die Kommunikation können alle Beteiligten auf ein zentrales System zugreifen, ohne ständig zwischen Shop, E-Mail, Support- oder Ticketsystemen und z. B. dem CRM wechseln zu müssen. Das Entscheidende: Ein User Hub begleitet die gesamte Kundenbeziehung – vom Erstkontakt über After-Sales bis zur Wartung. Das fördert Loyalität und reduziert den Aufwand im Service.

Dashboard-Ansicht eines digitalen Maschinenportals.

Für welche Branchen ist das besonders relevant?

Vor allem dort, wo Produkte komplex und langlebig sind, bringen Serviceportale entscheidende Vorteile, zum Beispiel im Maschinen- und Anlagenbau oder in der Medizintechnik. Kunden können über das Portal Ersatzteile bestellen, Wartungsintervalle prüfen oder Dokumentationen abrufen – ohne zeitaufwendige Rückfragen. Das entlastet Serviceteams und verbessert die Kundenzufriedenheit. Auch Softwareanbieter profitieren, indem sie ihren Kunden über die Plattform die Möglichkeit bieten, Lizenzen einfach zu verlängern, anzupassen oder zu verwalten. Ein User Hub schafft Transparenz, bindet Kunden und eröffnet neue Umsatzpotenziale durch datenbasierte Zusatzangebote.

Wie können sich Serviceportale denn moderne Technologien wie IoT und KI zunutze machen?

Das Internet of Things (IoT) verbindet Maschinen und Geräte mit den Portalen und liefert Echtzeitdaten über Nutzung und Zustand. Der Kunde sieht, wann Wartung erforderlich ist, erhält Warnungen der Maschine direkt im Portal oder kann passende Ersatzteile anfordern – alles digital und automatisiert. Künstliche Intelligenz (KI) erweitert diesen Ansatz: Sie analysiert Nutzungsverhalten, erkennt Muster und schlägt passende Lösungen vor.

KI-gestützte Chatbots, die Einsicht in die Kundenhistorie haben können und zuvor mit Detailwissen angelernt wurden, beantworten Supportanfragen oder leiten sie gezielt weiter. Dadurch wird der User Hub zu einer lernenden Plattform, die Bedürfnisse erkennt, bevor der Kunde sie äußert. Serviceportale entwickeln sich so von reaktiven Tools zu proaktiven Begleitern entlang der gesamten Customer Journey.

Welche technische Basis ist für User Hubs innerhalb der IT-Landschaft eines Unternehmens entscheidend?

Eine stabile, skalierbare Plattform ist der Schlüssel. Systeme wie Adobe Commerce bieten leistungsstarke B2B-Funktionen und lassen sich nahtlos in bestehende IT-Landschaften integrieren. Kundenspezifische Preisstrukturen, Rollenrechte oder Produktkataloge können ebenso abgebildet werden wie Schnittstellen zu CRM- und ERP-Systemen. Datenschutz und Sicherheit spielen dabei eine zentrale Rolle – insbesondere, wenn IoT-Daten oder KI-Funktionen in die Prozesse eingebunden werden.

Dabei sollte sichergestellt sein, dass sensible Informationen in einer sicheren, privaten Umgebung verarbeitet werden. Die Architektur sollte flexibel und erweiterbar sein, um KI- oder neue Service-Funktionen problemlos zu integrieren.

Und wo liegen die größten Herausforderungen bei der Implementierung von Serviceportalen?

Der Erfolg hängt von einer sauberen Integration und klaren Prozessen ab. Daten müssen konsistent, Systeme kompatibel und Verantwortlichkeiten eindeutig sein. Unternehmen sollten klein starten, erste Kernfunktionen umsetzen und das Portal schrittweise ausbauen. Dieses iterative Vorgehen reduziert Komplexität und erlaubt es, auf Nutzerfeedback zu reagieren. So wächst der User Hub organisch mit den Anforderungen.

Sehr gut. Und abschließend: Wie siehst du die Zukunft von Serviceportalen bzw. User Hubs?

Serviceportale werden zur zentralen Drehscheibe der Kundeninteraktion. Mit der Verbindung von IoT und KI entstehen intelligente Plattformen, die vorausschauend agieren, Wartungszyklen automatisiert steuern und personalisierte Empfehlungen geben. Unternehmen, die jetzt investieren, schaffen damit die Grundlage für nachhaltige Kundenbindung und neue datenbasierte Geschäftsmodelle. Der Wandel vom klassischen Shop zum intelligenten User Hub markiert den nächsten Schritt in der digitalen Evolution – hin zu echter Kundenzentrierung und messbarer Effizienz.

Danke für das Interview, Maria!

Portrait of a happy business woman working on her laptop at a desk in the office

Serviceportale – Die nächste Stufe der Kundeninteraktion

Im Interview mit Maria Kern, Digital Experience Architect, erläutern wir, wie Serviceportale die Kundeninteraktion im E-Commerce grundlegend verändern können.

Jetzt mehr zu Serviceportalen im B2B-Commerce in unserem Whitepaper erfahren! Jetzt mehr zu Serviceportalen im B2B-Commerce in unserem Whitepaper erfahren!

Mehr zum Thema

Team meeting on the plastic recycling factory discussing SAP Business Network | SAP BNAC

Customer Experience 9. Juli 2026

Customer Centricity im Manufacturing: Wie Hersteller steigende Kundenerwartungen erfüllen

Kundenorientierung ist auch im B2B-Umfeld unverzichtbar, um langfristige Beziehungen aufzubauen. Doch wie gelingt echte Kundenzentrierung und wie wird der ROI messbar? Praxistipps und ein reales Projektbeispiel zeigen, wie Fertigungsunternehmen Customer Centricity als Wachstums- und Wettbewerbsvorteil nutzen.

Customer Centricity im Manufacturing: Wie Hersteller steigende Kundenerwartungen erfüllen
Inside the Heavy Industry Factory Female Industrial Engineer Works on Personal Computer She Designs 3D Engine Model, Her Male Colleague Talks with her about the SAP Service and Asset Manager

Künstliche Intelligenz 25. Juni 2026

KI-Potenziale in der Fertigung: Welche Use Cases laufen bereits – und was rechnet sich?

In der Fertigungsindustrie zählt KI schon heute zu den wichtigsten Technologien. Doch zwischen Ambition und produktivem Einsatz mit messbarem Outcome klafft eine deutliche Lücke. Wo lohnt sich KI in der Fertigungsindustrie 2026 und welche Use Cases machen die Potenziale schon heute greifbar?

KI-Potenziale in der Fertigung: Welche Use Cases laufen bereits – und was rechnet sich?
Zwei Mitarbeitende am Schreibtisch arbeiten konzentriert an ihren PCs.

Künstliche Intelligenz 24. Juni 2026

Model Context Protocol: MCP als Infrastruktur für KI-Integration

Model Context Protocol, kurz MCP, taucht zunehmend in strategischen KI-Diskussionen auf. Der offene Standard bietet einen effizienten Weg, KI-Assistenten mit CRM, ERP und internen Systemen zu verbinden. Dieser Beitrag ordnet ein, warum MCP für Entscheider relevant ist, welche geschäftlichen Chancen entstehen und wo Vorsicht geboten ist.

Model Context Protocol: MCP als Infrastruktur für KI-Integration

Nichts verpassen.
Blogartikel abonnieren.

Anmelden