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Bei KI-Kosten kommt es nicht auf den Preis pro Token an

Künstliche Intelligenz
  • AI
  • cost-management
Yavuz Bogazci

21. Oktober 2026

Mitarbeiter beim produktiven Einsatz von Claude im Arbeitsalltag. AI generated

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Die Kosten für KI-Inferenz sind in den vergangenen Jahren um rund 90 Prozent gesunken. Fragt man jedoch in Unternehmen nach, stellt man fest: Bei den tatsächlichen Rechnungen ist davon kaum etwas zu spüren.

Denn der Preis pro Token war nie der entscheidende Kostentreiber. Ausschlaggebend sind vielmehr das Nutzungsvolumen, die Wahl des Modells, der Umfang des verarbeiteten Kontexts und die Anzahl der Wiederholungen, bis ein Ergebnis überzeugt. Sinkende Stückkosten führen vor allem dazu, dass KI häufiger eingesetzt wird. Aufgaben, deren Automatisierung sich im letzten Quartal noch nicht gerechnet hat, werden plötzlich wirtschaftlich attraktiv.

Damit gerät das klassische Abonnementmodell an seine Grenzen. Eine herkömmliche Softwarelizenz kostet gleich viel, unabhängig davon, ob eine Anwendung zweimal im Monat oder vierhundertmal genutzt wird. Bei KI hingegen verursacht jede Aktion zusätzliche Kosten: jede Eingabe, jedes Dokument, jeder Tool-Aufruf und jeder erneute Versuch – auch dann, wenn diese Prozesse im Hintergrund ablaufen. Die nutzungsbasierte Abrechnung macht damit eine Kostenstruktur sichtbar, die klassische Pauschalmodelle bislang verborgen haben.

Besonders deutlich wird das bei agentischen Workflows. Ein Auftrag wie „Aktualisiere diese Funktion, teste sie und bringe sie live“ klingt nach einer einzigen Aufgabe. Im Hintergrund kann daraus jedoch eine ganze Kette von Arbeitsschritten entstehen: Das System analysiert den Code, erstellt einen Plan, recherchiert, generiert Code, führt Tests aus, behebt Fehler und wiederholt den Prozess. Dabei kann der Tokenverbrauch um ein Vielfaches höher ausfallen als bei einem einfachen Chat. Je nach Ausführungsweg können sich die Kosten für dieselbe Aufgabe zudem erheblich unterscheiden. Durchschnittswerte vermitteln deshalb oft ein trügerisches Bild – die Ausreißer treiben die Rechnung.

Wer KI-Kosten kontrollieren will, muss zunächst verstehen, wodurch sie entstehen. Ein leistungsfähiges Modell weiß nicht automatisch, wann eine einfache Regel oder eine direkte Abfrage ausreichen würde. Genau hier entstehen viele unnötige Kosten: zwischen dem, was ein Modell leisten kann, und der Entscheidung, wann sein Einsatz tatsächlich sinnvoll ist.

Ein kleineres Modell oder eine strengere Budgetwarnung allein lösen das Problem nicht. Entscheidend ist, nachvollziehen zu können, wie Nutzungsvolumen, Modellauswahl, Kontextgröße und Wiederholungen die Kosten beeinflussen. Die meisten Unternehmen kennen ihre Gesamtrechnung. Doch nur wenige können erklären, wie sie zustande kommt.

Yavuz Bogazci, Geschäftsführer & Co-Lead Telco Practice bei valantic

Yavuz Bogazci

Business Area Manager Telco & Utilities

valantic

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