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SAP S/4HANA-Migration: Die sich bietenden Gestaltungsmöglichkeiten nutzen!

Bild von Joachim Hackmann, Principal Consultant bei teknowlogy|PAC über digitale Geschäftsinnovationen, im Hintergrund ein Rechenzentrum

Auch wenn SAP seinen Kunden für die Migration auf die neue Produktgeneration SAP S/4HANA mehr Zeit lässt, bleibt das Unterfangen eine große Herausforderung. Doch richtig ist auch: Der bevorstehende Umstieg bietet auch zahlreiche Chancen.

Obwohl SAP S/4HANA nun schon eine Weile auf dem Markt ist, stehen viele Anwenderunternehmen noch in den Startlöchern. Nur wenige, nach unseren Schätzungen etwa jeder zehnte SAP-Kunde, haben zumindest eines ihrer ERP-Systeme auf die neue Produktgeneration umgestellt beziehungsweise ein neues System eingeführt. Eine aktuelle Erhebung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG), die sie in Kooperation mit Americas‘ SAP Users‘ Group (ASUG) durchgeführt hat, bestätigt diese Einschätzung in etwa: Unter den DSAG-Mitgliedern, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben 12 Prozent eine Migration abgeschlossen. Unter den ASUG-Mitgliedern sind es immerhin schon 16 Prozent.

Der Großteil der Firmen, die SAPs ERP-Produkte nutzen, haben Pläne geschmiedet, innerhalb der nächsten Jahre auf die neue Suite zu migrieren. Laut DSAG/ASUG-Umfrage sind dies 70 Prozent (DSAG) beziehungsweise 55 Prozent (ASUG). Die verbleibenden Unternehmen wissen zwar auch, dass sie an SAP S/4HANA nicht vorbeikommen, doch sie scheuen die Kosten und haben Zweifel am Business Case sowie der Funktionalität der neuen Lösung. Letztlich werden auch sie wohl überwiegend die Migration angehen, wenngleich sie die Notwendigkeit nicht sehen – abgesehen natürlich von der Tatsache, dass SAP ihnen keine Alternative lässt.

Mit SAP S/4HANA liefert der Softwarekonzern kein neues Release. Er beschreitet neue Wege. Die Anwendungssoftware basiert auf der Plattform SAP HANA, einer In-Memory-Plattform. Bei einer Migration tauscht der Kunde nicht nur die Software aus, sondern auch die darunterliegende technische Infrastruktur. Damit verlässt SAP den bisherigen Pfad, inkrementelle Verbesserungen für das Altprodukt SAP ECC zu liefern, und bietet stattdessen ein neues Produkt.

Die Softwarewartung für die Altsysteme lässt SAP auslaufen. Noch bis 2027 – die Frist wurde unlängst um zwei Jahre verlängert – hält SAP an der Standardwartung für die älteren ERP-Anwendungen fest. Somit wird dieses Jahr zum Zieldatum, bis zu dem der Umstieg auf SAP S/4HANA vollzogen sein sollte.

Damit übt SAP Druck sowohl auf die Kunden als auch auf seine Partner aus. Ein ernsthaftes Problem dabei ist der Mangel an Experten. Sowohl die Anwenderunternehmen als auch die IT-Dienstleister suchen händeringend nach Mitarbeitern, um die wachsende Zahl an Migrationsprojekten bewältigen zu können. Die Covid-19-Krise hat die Situation sogar noch verschärft, weil Migrationsprojekte verschoben oder verzögert wurden und somit die Ressourcen für die in der Folge eingeplanten Projekte länger als vorgesehen binden.

Zur gesamten Story hinter S/4HANA gehört aber auch die Tatsache, dass die Rundum-Erneuerung von SAPs zentralen ERP-Softwarelösungen nicht zuletzt auch auf Forderungen der Anwender an den Hersteller zurückging, eine neue Produktgeneration auf den Markt zu bringen, die den heutigen Anforderungen der Digitalisierung besser entspricht.

Doch nur selten erachten Unternehmen eine SAP S/4HANA-Migration als Gelegenheit, das eigene Unternehmen fit zu machen für die digitale Agenda. Nach unseren Erkenntnissen aus Gesprächen mit Firmen mit erfolgreicher Migration war der (fast) ausschließliche Beweggrund, möglichst schnell und geräuschlos auf die neue Softwaregeneration umzusteigen, damit das Thema der auslaufenden Wartung vom Tisch ist.

Grundsätzlich ist diese Haltung nicht zu verurteilen. Jedoch sind wir der Überzeugung, dass Firmen hier Potenzial verschenken. Mancherorts laufen die SAP-Systeme bereits seit vielen Jahren, ohne dass sich an der Prozesskonfiguration Wesentliches geändert hat. Diese Situation lediglich in einer neuen Software abzubilden, bringt außer einer höheren Verarbeitungsgeschwindigkeit dank der In-Memory-Verarbeitung keine Verbesserungen. Weit mehr ließe sich gewinnen, würden die Firmen sich überlegen, wie sie ihre bestehenden Prozesse transformieren können und dabei die Bordmittel von SAP S/4HANA optimal nutzen.

Der Bedarf der Firmen, bestehende Prozesse zu verbessern, die Produktivität der Mitarbeiter (der SAP-Nutzer) zu steigern sowie innovative Entwicklungen zu unterstützen, ist groß und wächst noch weiter. An der Relevanz einer Transformation der SAP-gestützten Prozesse besteht vielerorts kein Zweifel.

Allerdings geht eine Transformation auch immer mit einer Fülle von Veränderungen einher. Die technische Transformation ist herausfordernd, aber machbar. Noch größer und auch schwieriger zu handhaben ist eine Prozessveränderung, denn sie hat viel größeren Einfluss auf die Gewohnheiten der Nutzer. Sie ist aber oft dringend erforderlich, denn so manche Firma hat über die Jahre zahlreiche SAP-Customizings durchlaufen, um eigene vermeintliche Besonderheiten abzubilden, für die es längst Alternativen im Standardfunktionsumfang der ERP-Software gibt – oder die schlicht überflüssig sind, da diese Spezialfunktionen keiner mehr benötigt.

Ähnliches gilt auch für eine Konsolidierung, gerade in Bezug auf eine einheitliche Prozesskonfiguration für standardisierbare Abläufe, etwa im Einkauf. Eingeschliffene und firmenpolitisch gewollte Verfahren in Frage zu stellen, kann manchmal heilsam sein, erst recht dann, wenn ohnehin durch die digitale Agenda des Unternehmens neue Ideen Einzug halten.

Eine Migration auf SAP S/4HANA bietet somit viele Chancen. Aber es besteht für mich kein Zweifel, dass dieser Schritt teuer und risikoreich ist und für die Firmen eine erhebliche Belastung darstellen kann. Jedoch glaube ich auch, dass die Anzahl und Qualität der Methoden und Werkzeuge, die eine solche Umstellung steuern und stärker automatisieren können, vielen Unternehmen dabei helfen kann, die technische Migration zu bewältigen sowie die Prozesse zu transformieren.

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