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Supply Chain Benchmarking: Potenziale schnell und effizient erkennen

eine Frau die im Lager eines Warenhauses auf ein Ipad schaut und dort Bestände prüft

Effizient und effektiv die relevanten Optimierungspotenziale entlang einer Supply Chain zu identifizieren, ist eine zentrale Aufgabe im heutigen Supply Chain Management (SCM). Besonders in der Konsumgüterindustrie zählt dies zu den wesentlichen Herausforderungen.

Denn Unternehmen werden mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert: Zum einen ist die erhöhte Lieferketten-Komplexität aufgrund der geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Konflikte eine große Herausforderung. Daher ist es besonders wichtig, die Supply Chain Resilience zu stärken. Eine weitere Herausforderung bilden die rasante Digitalisierung und die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI). Werden hier die Potenziale nicht genutzt und der Digitalisierungsgrad entlang der Supply Chain Prozesse überprüft, ist ein Mithalten mit dem Wettbewerb kaum möglich.

Zudem erschweren volatile Frachtpreise aufgrund von sich verändernden Personal- und Transportkapazitäten die Planbarkeit. Da mittelfristig kein Ende der Preisvolatilität zu erwarten ist, müssen Frachtpreise kontinuierlich im Blick behalten werden, um Potenziale schnell realisieren zu können. Für diese Herausforderungen hilt ein effektives Supply Chain Benchmarking.

Analyserahmen für das Supply Chain Management

FMCG-Supply Chains sind im Regelfall komplex, die Ansatzpunkte vielfältig und die Ressourcen begrenzt. Ein strukturiertes Supply Chain Benchmarking der Optimierungspotenziale aller Dimensionen des SCM hilft, wesentliche Potenziale schnell und treffsicher zu identifizieren.

Die große Herausforderung bei der Identifizierung von Optimierungspotenzialen entlang einer Supply Chain liegt im breiten Spektrum der zugehörigen Funktionen und Prozesse. Diese werden typischerweise der Supply Chain oder dem Supply Chain Management zugerechnet. So werden vielfach die Funktionen Produktion, Logistik und Einkauf der Supply Chain zugeordnet.

Gleichzeitig ist bei der Suche nach Optimierungspotenzialen eine große Bandbreite von Strukturen und Abläufen zu analysieren. Sie reicht von strategischen Themen wie dem physischen Aufbau der Supply Chain über den Wertschöpfungsprozess bis hin zu unterstützenden Aufgaben wie dem Supply Chain Controlling.

Bei dieser Vielzahl an Bereichen und Themen geht der Überblick schnell verloren. Dadurch besteht die Gefahr, nicht alle relevanten Potenziale zu identifizieren und den Fokus auf die falschen Themen zu legen.

In dieser Situation hilft ein strukturiertes Supply Chain Benchmarking, um sich auf die tatsächlich relevanten Themen zu fokussieren. Im Folgenden wird ein Analyserahmen für das Supply Chain Management vorgestellt. Auf dieser Basis werden verschiedene qualitative und quantitative Benchmarking-Methoden beleuchtet. Abschließend wird gezeigt, wie sich aus den Ergebnissen der Analyse ein stringentes Maßnahmenprogramm ableitet.

Supply Chain Management Framework als Pyramidenmodell mit fünf Ebenen
Supply Chain Management Framework als Pyramidenmodell mit fünf Ebenen (Abb. 1)

Optimales Benchmarking: Die Analysedimensionen des SCM Integration Framework

Das Supply Chain Management Integration Framework (SCMIF, siehe Abb. 1) ist ein strukturiertes Analyseraster für ganzheitliches Supply-Chain-Benchmarking. Es bewertet alle relevanten Dimensionen des Supply Chain Managements systematisch und gliedert sie in fünf funktionale Ebenen.

Der Leistungsstand eines Unternehmens wird qualitativ und – wo möglich – zusätzlich quantitativ benchmarkt. So lassen sich gezielt Optimierungspotenziale erkennen und in konkrete Maßnahmenprogramme überführen.

Qualitatives Supply Chain Benchmarking: Abweichungen zu Best-Practice schnell erkennen

Das qualitative Benchmarking basiert auf einer sogenannten „Stages-of-Excellence“-Bewertung. Bei dieser werden alle Aufgaben und Prozesse einer Dimension des Supply Chain Management Integration Framework auf vier unterschiedlichen Ausprägungsniveaus (z.B. „Nachzügler“, „Durchschnitt“, „Fortschrittlich“ und „Best-Practice“) beschrieben. So kann z.B. die Aufgabe „Prognosegütenmessung und Incentives“ in der Dimension „Sales & Operations Planning“ folgende Ausprägungsstufen haben (siehe Abb. 2).

Grafik eines Beispiels von Stages-of-Excellence
Stages-of-Excellence (Abb. 2)

Nun gilt es, den aktuellen Leistungsstand des Unternehmens zu erfassen und einer Stufe zuzuordnen. Insgesamt sind für eine gesamthafte Bewertung des aktuellen Leistungsstands des Unternehmens zahlreiche Einzelbewertungen vorzunehmen. Auf diese Weise wird schnell deutlich, bei welchen Dimensionen und bei welchen Themen die größten Abweichungen zu Best-Practice existieren.

Quantitatives Supply Chain Benchmarking: Größenordnungen von Potenzialen ermitteln

Ergänzend zum qualitativen Benchmarking erfolgt in einer Reihe von Analysedimensionen ein quantitatives Benchmarking.  Auf diese Weise werden viele Einschätzungen des qualitativen Benchmarkings nochmals objektiviert. In vielen Fällen werden sie zudem quantifiziert, sodass die Größenordnung eines möglichen Potenzials ermittelt werden kann. Die Möglichkeiten des quantitativen Supply Chain Benchmarkings sind vielfältig. Einige Benchmarking Beispiele:

  • Über ein  Prognosegüten-Benchmarking kann die Performance des S&OP-Prozesses gut erhoben werden.  Hierzu können Gütemaße für Prognosen erhoben und bewertet werden, beispielsweise der Mittlere Absolute Prozentuale Fehler (MAPE) oder die systematische Verzerrung der Prognosen (BIAS). Dies kann auf Produktgruppen- oder SKU-Ebene erfolgen.
  • Bilanzkennzahlen nach HGB können einen guten ersten Eindruck der Bestände an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Zwischenprodukten und Fertigwaren geben. Über den elektronischen Bundesanzeiger stehen die entsprechenden Daten von Vergleichsunternehmen zur Berechnung von beispielsweise Lagerumschlagshäufigkeiten zur Verfügung.
  • Die Prozesskosten in der Logistik lassen sich mittels Benchmarking gut vergleichen. Grund dafür sind die relativ standardisierten Tätigkeiten, die in vielen Unternehmen ähnlich ablaufen. Ein Vergleich der Kostensätze für Wareneingang, Lagerung und Warenausgang von Europaletten zeigt schnell mögliche Einsparpotenziale auf. So lässt sich erkennen, ob ein Potenzial zur Kostenreduzierung besteht.

Wie bei jedem Benchmarking besteht natürlich die Gefahr, „Äpfel mit Birnen“ zu vergleichen. Daher sind die quantitativen Vergleiche zunächst einmal mit einer gesunden Skepsis zu betrachten. Größere Abweichungen von den relevanten Best-Practice-Benchmarks deuten in der Regel auf vorhandene Potenziale hin. Diese können anschließend gezielt gehoben werden.

Gesamtbewertung des Supply Chain Benchmarking und Optimierungsmaßnahmen für Ihr SCM

Letztlich werden die Benchmarking-Ergebnisse zusammenfassend dargestellt, um die nun anzustoßenden Optimierungsmaßnahmen für Ihre Lieferkette zu definieren (siehe Abb. 3). Dazu werden drei Bewertungen aufgenommen:

  1. Die eigene Bewertung des Unternehmens hinsichtlich des Leistungsstandes in den einzelnen Dimensionen des SCM Integration Framework bildet die Grundlage. Dazu wird ein Durchschnitt der Bewertungen einzelner Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Abteilungen und funktionalen Bereichen (360-Grad-Bewertung) gebildet.
  2. Die externe Sicht eines SCM-Beraters ergänzt das eigene Benchmarking des Unternehmens, da Selbst- und Fremdbild häufig nicht deckungsgleich sind.
  3. Letztendlich wird gemeinsam ein Sollzustand definiert, den es zu erreichen gilt. Dieser Sollzustand muss nicht immer 100 % des Möglichen umfassen, gerade in mittelständischen Unternehmen ist eine Zielsetzung „mit Augenmaß“ unerlässlich.

Zur Schließung der Lücken werden im Anschluss die entsprechenden Optimierungsmaßnahmen definiert. Die Supply-Chain-Benchmarking-Ergebnisse stellen sicher, dass

  • Optimierungsmaßnahmen in den richtigen Bereichen initiiert werden, in denen die größten Lücken zu Best-Practice bestehen,
  • die Größenordnung eines möglichen Potenzials bereits eingeschätzt werden kann, und
  • durch den Einbezug vieler Mitarbeiter:innen in das Benchmarking-Projekt eine hohe Akzeptanz der Maßnahmen in der Organisation besteht.
    Die Ergebnisse des Supply Chain Benchmarking sind beispielhaft in folgendem Spinnwebdiagramm zusammengefasst (siehe Abb. 3):
Grafik eines Ergebnisses und Maßnahmen
Ergebnisse des Supply Chain Benchmarkings (Abb. 3)

Fazit

Mit qualitativem Supply Chain Benchmarking und – wo immer möglich – quantitativem Benchmarking lassen sich Schwachstellen im Supply Chain Management eines Unternehmens schnell erkennen. Sie werden dabei gezielt und punktgenau identifiziert.

Der umfassende Ansatz über alle Dimensionen des Supply Chain Management Integration Framework hinweg gewährleistet eine ganzheitliche Analyse. So werden alle relevanten Themen durchleuchtet und keine Potenziale übersehen. Zusätzlich liefert das Benchmarking eine erste Indikation über die Höhe der möglichen Potenziale. Somit ist funktionales Benchmarking der ideale Ansatz, um ein Supply Chain Optimierungsprojekt zu starten.

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Dennis Goetjes

Dennis Goetjes

Partner

valantic Supply Chain & Procurement Consulting

+49 211 563875-50

  • Supply Chain Management
  • Sales & Operations Planning
  • Supply Chain Configuration
  • SCM-Organisationen

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