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Mehr über uns erfahren26. November 2025
Nachhaltigkeit rückt zunehmend in den Fokus unternehmerischer Entscheidungen. Einkaufsverantwortliche stehen daher vor der Herausforderung, entsprechende Prinzipien in ihre Prozesse zu integrieren und gleichzeitig die wirtschaftliche Effizienz zu wahren. Nachhaltigkeit im Einkauf zu verankern und gleichzeitig Einsparungen zu erzielen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Sie verlangt ein Umdenken, innovative Ansätze und die Neubewertung traditioneller Einkaufspraktiken.
Die Implementierung nachhaltiger Beschaffungsstrategien fördert nicht nur den Umweltschutz. Sie kann auch die Reputation stärken, Kosten senken und den Zugang zu neuen Märkten erleichtern. Unternehmen, die auf nachhaltigen Einkauf setzen, sind besser auf wandelnde Anforderungen von Kund:innen und Anteilseigner:innen vorbereitet. So schaffen sie die Grundlage für langfristigen Erfolg. Oftmals sind jedoch die Weichen zum Ausschöpfen der Möglichkeiten noch nicht gestellt.
So ist Nachhaltigkeit weder als festes und verbindliches Einkaufsziel definiert, noch sind die Mitarbeiter:innen im Einkauf ausreichend geschult. Laut unserer Studie zum Reifegrad von Einkaufsabteilungen im Nachhaltigkeitsbereich existieren aktuell noch hohe Defizite. Diese betreffen vor allem die Quantifizierung von Nachhaltigkeitszielen, verbindliche Lieferantenkriterien, den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken und die Entwicklung von Lieferanten.
Erst wenn die Bedingungen geschaffen sind, können alle Warengruppen für einen nachhaltigen Einkauf ausgewählt werden. Besonders auffällig: Nur 22 Prozent der befragten Unternehmen bieten gezielte Personalentwicklungsmaßnahmen zum Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenzen im Einkauf an. Zudem verwenden 64 Prozent keine digitalen Tools als unterstützendes Hilfsmittel für ihre nachhaltigen Praktiken. Dadurch werden die Herausforderungen bei der Umsetzung eines nachhaltigen Einkaufs deutlich: Fehlende Definitionen, unzureichende Schulungen und hohe Defizite bei der Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Geschäftspraxis, stellen Unternehmen unter erheblichen Druck.
Viele Einkaufsverantwortliche stehen somit vor folgenden zentralen Fragen:
Wir bieten Ihnen maßgeschneiderte Lösungen an, um Sie bei der Entwicklung und Implementierung nachhaltiger Beschaffungsstrategien zu unterstützen. Unsere Expert:innen stellen Best Practices bereit, mit denen Sie effektive und effiziente Einkaufsprozesse etablieren können. So sind Sie optimal aufgestellt, um steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen zu begegnen und langfristigen Erfolg zu sichern.
Was macht den Einkauf nachhaltig?
Nachhaltiger Einkauf ist ein Beschaffungsansatz, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Faktoren gleichermaßen einbezieht. Ziel ist es, langfristig positive Effekte für Umwelt, Gesellschaft und das Unternehmen zu erreichen. Der Ansatz geht über traditionelle Beschaffungspraktiken hinaus. Er berücksichtigt nicht nur Preis und Qualität, sondern analysiert auch die Auswirkungen entlang der gesamten Lieferkette.
Ein nachhaltiger Einkauf basiert auf folgenden Kriterien:
Ein nachhaltiger Einkauf bietet Unternehmen zahlreiche Vorteile, die über die rein ökologische Dimension hinausgehen. Er ist nicht nur ein ethischer Imperativ, sondern auch ein strategischer Schritt für Unternehmen, um langfristigen Erfolg zu sichern. Richten Unternehmen ihre Einkaufspraktiken an nachhaltigen Prinzipien aus, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Gleichzeitig stärken sie langfristig ihre Position im Markt.
Weitere Vorteile sind:
Durch die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Standards zur Umweltverträglichkeit und sozialen Verantwortung minimiert ein nachhaltiger Einkauf rechtliche Risiken.
Ein Unternehmen, das sich für Nachhaltigkeit einsetzt, kann die Mitarbeiterzufriedenheit steigern, was wiederum die Mitarbeiterbindung und -gewinnung erleichtern kann.
Nachhaltiger Einkauf reduziert die Abhängigkeit von endlichen Ressourcen und trägt zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in einer sich wandelnden Weltwirtschaft bei.
Durch eine diversifizierte und nachhaltige Lieferkette werden Risiken wie Lieferengpässe, Qualitätsprobleme und Reputationsverlust reduziert.
Ein nachhaltiger Einkauf zeigt Verantwortungsbewusstsein und Umweltengagement, was die Kundenbindung und Markenloyalität fördern.
Erfolgreiche Kundenprojekte sind nicht nur Zeugnisse für unser Engagement und unsere Fachkompetenz, sondern auch für die transformative Kraft nachhaltiger Lösungen. Hier präsentieren wir zwei unserer inspirierenden Kundenprojekte, die durch einen ganzheitlichen Ansatz und unsere Partnerschaft realisiert wurden:
Unternehmen: Gasunie ist einer von 16 deutschen Fernleitungsnetzbetreibern, der sich für den Aufbau eines Wasserstoffnetzes engagiert und die dafür notwendige Infrastruktur bereitstellt.
Ziel: Entwicklung einer Einkaufs-Sustainability Roadmap und Definition von Nachhaltigkeitskriterien
Umsetzung:
Ergebnisse:
Unternehmen: Die Technischen Werke Dresden stellen Energie- und Wasserversorgung sowie Dienstleistungen im Bereich der Ver- und Entsorgung in Dresden und Umgebung bereit.
Ziel: Implementierung der Anforderungen des Lieferkettengesetzes in das tägliche Geschäft mit Fokus auf den Einkaufsbereich
Umsetzung und Ergebnisse: Trotz einer komplexen Konzernstruktur mit vielen heterogenen Tochtergesellschaften konnten sämtliche gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden. Möglich wurde das durch zentrale Standards und deren schrittweise Implementierung – ohne zusätzlichen Ressourcenaufbau.
Die Umsetzung umfasste:
Phase 1: Voraussetzungen für Nachhaltigkeit im Einkauf schaffen
Zunächst gilt es, alle offenen Fragen und wesentlichen Voraussetzungen für einen grünen Einkauf zu klären. So entsteht eine fundierte Entscheidungsgrundlage auf Basis theoretischer und praktischer Erkenntnisse.
Den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit gerecht werden
Grundsätzlich wird zwischen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit unterschieden: ökologische Dimension, soziale Dimension und ökonomische Dimension (siehe Abb. 1: Drei Dimensionen der Nachhaltigkeit). Im Tagesgeschäft kommt jeder/jede Einkäufer:in früher oder später mit allen drei Dimensionen in Berührung.
Die ökologische Dimension orientiert sich am ursprünglichen Nachhaltigkeitsgedanken und bezieht sich in erster Linie auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur. Der Einsatz reicht von regenerativen Energien über umweltschonende Materialien bis hin zu strikten Reiserichtlinien. So werden zum Beispiel Telefonkonferenzen bevorzugt, um den CO2-Ausstoß durch Geschäftsreisen zu minimieren.
Die soziale Dimension rückt die Verantwortung gegenüber den Menschen in den Mittelpunkt. Gerade Unternehmen, die ihre Vorprodukte in Niedriglohnländern produzieren lassen, tragen eine soziale Verantwortung für die Angestellten ihrer Lieferanten. Angemessene Lohnzahlungen, geregelte Arbeits- und Pausenzeiten, Verbot von Kinderarbeit sind nur einige Punkte, die von einem Einkäufer zu überwachen sind.
Strategische Einkäufer:innen sollten gemeinsam mit den Fachbereichspartnern bereits bei der Lieferantenauswahl auf Transparenz achten. Ein Lieferanten-Audit hilft dabei, die Arbeitsbedingungen vor Ort realistisch einzuschätzen.
Die ökonomische Dimension definiert ein verantwortungsbewusstes Handeln in der Partnerschaft mit Lieferanten und Dienstleistern. Einkäufer:innen sollten sich stets ihrer wirtschaftlichen Macht und insbesondere ihrer Verantwortung gegenüber den Lieferanten bewusst sein.
Gerade kleinere Lieferanten geraten nicht selten in Zahlungsschwierigkeiten. In manchen Fällen führt die Stornierung großer Aufträge oder das abrupte Ende der Zusammenarbeit sogar zur Insolvenz.
In der Regel müssen alle drei Nachhaltigkeitsdimensionen bei der Bewertung durch den Einkauf gleichzeitig und gleichwertig berücksichtigt werden: Die Verlagerung der Produktion zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes berücksichtigt die ökologische Dimension. Gleichzeitig kann sie jedoch einen Zulieferer aus Fernost wirtschaftlich unter Druck setzen und vernachlässigt damit die ökonomische Perspektive.
Vergleichbare Schieflagen sind auch bei anderen Konstellationen möglich, aber durch eine von vornherein allen drei Dimensionen gerecht werdende, balancierte Herangehensweise vermeidbar.
Nachhaltigkeit als Einkaufsziel verankern
Die Ziele des Einkaufs orientieren sich in der Regel an der übergeordneten Unternehmensstrategie. Diese sollte bereits Nachhaltigkeit als Schwerpunkt der Corporate Social Responsibility (CSR) in den Unternehmenszielen verankern. Wichtig ist dabei zu beachten, dass eine erfolgreiche Einkaufsabteilung mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen kann: Nachhaltigkeit steht nicht im Widerspruch zu etablierten Einkaufszielen wie Kostensenkung oder Risikominimierung.
Oft können nachhaltige Produkte aufgrund einer geringeren Wertschöpfungstiefe kostengünstiger hergestellt werden. Zum Beispiel kommen einfache Kartonagen aus brauner Wellpappe beim Versand an Endkunden zum Einsatz. Die Umstellung vom globalen Einkauf auf ausgewählte lokale Lieferanten kann die Lieferzeit deutlich verkürzen. Gleichzeitig sinken das Risiko von Lieferausfällen und die Logistikkosten.
Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Verankerung des neuen Einkaufsziels ist eine konsequente Kommunikation mit der vollen Rückendeckung des Top-Managements. Dies stellt sicher, dass die Nachhaltigkeitsinitiative nicht „im Sande verläuft“.
Alle Einkaufsfunktionen auf Nachhaltigkeit ausrichten
Für den erfolgreichen Aufbau eines grünen Einkaufs müssen alle Aufgabenfelder – etwa strategischer Einkaufsprozess, Lieferanten- und Risikomanagement oder Einkaufscontrolling – konsequent auf das neue Ziel ausgerichtet werden. Gleichzeitig ist eine gezielte Schulung der Einkaufsmitarbeitenden erforderlich.
Dies sind Fragen, auf deren Beantwortung ein Unternehmen seine Einkaufsmitarbeiter:innen vorbereiten muss.
Ein Beispiel:
Die bereits bestehenden Bewertungsmodelle zur Lieferantenauswahl im strategischen Einkaufsprozess müssen überarbeitet werden. Zudem sind die Auswahlkriterien zur Lieferantenbewertung unter dem Gesichtspunkt Nachhaltigkeit neu zu definieren. Nach der Auswahl eines Lieferanten stellt ein konsequentes Vertragscontrolling die dauerhafte Erfüllung der zuvor definierten Kriterien sicher. Gleichzeitig überwacht es die Gültigkeit der vorgelegten Zertifikate.
Die neu definierten Auswahlkriterien werden anschließend in das Lieferantenmanagementsystem übernommen. Der Einkauf definiert zur Bewertung der Lieferantenperformance gemeinsam mit den Fachabteilungen aussagekräftige Kennzahlen zur Messung der speziellen Lieferanten- als auch allgemeine Einkaufsperformance. Dabei werden die klassischen Einkaufskennzahlen um eine Nachhaltigkeitskomponente ergänzt. Solche Nachhaltigkeitskennzahlen werden zukünftig deutlich an Bedeutung gewinnen.
In Abhängigkeit von der eigenen Branche werden diese Kennzahlen erweitert. Gemeinsam mit den Abteilungen Produktion und Logistik kommen zusätzlich Kennzahlen zur Bewertung der nachhaltigen Supply Chain hinzu. So entsteht ein präzises, mehrstufiges Kennzahlensystem, das für alle Beteiligten entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent ist. Es bewertet den Grad der Nachhaltigkeit – vom Vorlieferanten (z. B. Löhne, Sicherheitsstandards) bis zur eigenen Produktion.
Phase 2: Den nachhaltigen Einkauf implementieren
Die erfolgreiche Implementierung eines nachhaltigen Einkaufs gelingt durch die Priorisierung geeigneter Warengruppen. Gleichzeitig lassen sich Einsparungen realisieren, wenn die optimalen Einsparhebel gezielt ausgewählt werden.
Die optimalen Warengruppen priorisieren
In der Fashion- und Möbelbranche ist der Einsatz nachhaltiger Materialien in der Produktion längst en vogue. Auch im Bereich der Nicht-Handelsware (NHW), also dem indirekten Einkauf, steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen.
Tragetaschen aus braunem Recyclingpapier oder Kleiderbügel aus Wiesengras sind gefragter denn je. Und dies oft bei signifikant günstigeren Konditionen im Vergleich zu den umfangreich veredelten Papiertragetaschen oder Holzbügeln aus kanadischer Esche.
Dabei haben insbesondere Marketing- und Vertriebsabteilungen oftmals sehr konkrete Vorstellungen, wie ein nachhaltiges Produkt im Sinne der Unternehmensstrategie definiert wird. Wirbt das Marketing eines Versandhändlers mit der CO2-neutralen Zustellung eines 100 Prozent recyclingfähigen Pakets, muss der Einkauf dies entsprechend umsetzen. Dazu gehören die Verhandlungen mit dem Paketdienstleister sowie die Optimierung der Konditionen für die Kartonage.
Die Beispiele beschreiben anschaulich ausgewählte Einzelfälle: Häufig werden nur „durch Zufall“, z. B. auf expliziten Wunsch von einzelnen Fachbereichsverantwortlichen, ausgewählte Warengruppen nachhaltig eingekauft. Um eine willkürliche Auswahl von Warengruppen zu vermeiden, sollte der Einkauf eine entsprechende Priorisierung vornehmen. Dabei hängt die Auswahl von geeigneten Warengruppen für einen nachhaltigen Einkauf von der Branche des eigenen Unternehmens sowie dessen Kernprodukten oder -dienstleistungen ab.
Die Kraljic-Matrix zur Priorisierung von Warengruppen bietet eine gute Hilfestellung (siehe Abb. 2: Kraljic-Matrix):
Die geeigneten Hebel ansetzen
Die bereits bewährte Hebelsystematik der Preis-/Prozesskosten und Mengenhebel kann auch im nachhaltigen Einkauf angewendet werden. Dabei erscheinen die Optimierungshebel zur Identifizierung und Realisierung von Einsparungen in neuem Licht: Unsere Abbildung zeigt die grundsätzliche Eignung aller acht Haupthebel zur Anwendung im nachhaltigen Einkauf auf (siehe Abb. 3: Bewertung Eignung Preis-/Prozesskosten- und Mengenhebel für nachhaltigen Einkauf).
Jahrelang bewährte Preishebel wie Volumenbündelung oder die Veränderung des Lieferantenkreises – etwa durch Global oder Local Sourcing – zeigen im nachhaltigen Einkauf nur begrenzte Wirkung. Ihre Eignung ist gering, ebenso wie das damit verbundene Einsparpotenzial. Der Grund dafür liegt in der Bündelung des Einkaufsvolumens auf wenige Lieferanten, die Einsparungen durch Volumenrabatte ermöglicht. Allerdings trägt die damit verbundene Optimierung der Inbound-Logistik nur wenig zur Erreichung eines hohen Nachhaltigkeitsgrads bei.
Auf der anderen Seite lassen sich durch Local Sourcing Nachhaltigkeitsziele gezielt verfolgen. Besonders in der Nahrungsmittelindustrie und im Handel ist „buy locally“ weit verbreitet, da so der CO₂-Ausstoß reduziert und lokale Unternehmen gestärkt werden können. Währenddessen wird jedoch die Erzielung von Einsparungen (z. B. Ausnutzung von niedrigeren Faktorkosten im Ausland oder Ausnutzung von Währungsschwankungen/Handelsanreizen) erschwert.
Auch hier gilt: Das Optimum aus hohen Einsparungen und einem hohen Nachhaltigkeitsgrad wird immer durch die geschickte Kombination verschiedener Hebel realisiert. Spezifikationsoptimierung und der Einsatz nachhaltiger Materialien führen zu Einsparungen, die durch Local Sourcing und reduzierte Transport- und Logistikkosten weiter gesteigert werden können.
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Jan Laakmann
Partner
valantic Supply Chain & Procurement Consulting
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