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Mehr über uns erfahren6. Oktober 2024
Die öffentliche Beschaffung umfasst alle Prozesse, über die öffentliche Einrichtungen, Behörden und Kommunen Produkte und Dienstleistungen beziehen. Auch staatseigene Unternehmen sind in diese Abläufe eingebunden. Diese Aktivitäten machen einen maßgeblichen Anteil am Gesamtwirtschaftsvolumen aus und haben daher eine hohe wirtschaftliche Bedeutung.
Die öffentliche Beschaffung nimmt eine zentrale Rolle in der Wirtschaft ein. Daraus ergibt sich die Verpflichtung, nachhaltige Prinzipien in ihre Abläufe zu integrieren, um langfristig positive soziale und ökologische Ergebnisse zu erzielen. Nachhaltige Praktiken fördern nicht nur Klima- und Umweltschutz, sondern setzen sich auch für faire und sichere Arbeitsbedingungen sowie die Unterstützung der lokalen Wirtschaft ein.
Laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz liegt das Beschaffungsvolumen der öffentlichen Hand in Deutschland bei rund 500 Milliarden Euro. Damit stellt sie einen erheblichen Anteil am Erwerb von Produkten und Dienstleistungen dar.
Im Vergleich sind die Kommunen die größten Akteure der öffentlichen Beschaffung von Waren und Dienstleistungen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass sie Aufgaben übernehmen, die die Bürger direkt betreffen, wie die Bereitstellung von Schulen, öffentlichen Verkehrsmitteln und sozialen Dienstleistungen. Zu den vielfältigen Gütern, die für die öffentliche Verwaltung beschafft werden müssen, zählen beispielsweise Bürogeräte, Strom, Papier, Möbel, Dienstfahrzeuge, medizinische Geräte, etc.
Im Zuge der öffentlichen Beschaffung entsteht eine erhebliche Menge an Treibhausgasemissionen. Im Jahr 2006 waren Bund, Länder, Kommunen und öffentliche Unternehmen für 42,8 Megatonnen (Mt) Kohlendioxidäquivalent (CO₂e) verantwortlich. Dies entspricht ca. 4 Prozent aller Emissionen in Deutschland. Die Verteilung dieser Emissionen, die direkt oder indirekt durch die Beschaffungsaktivitäten des öffentlichen Sektors entstehen, lautet wie folgt:
(Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit)
Diese hohen Zahlen zeigen deutlich die Relevanz für die Beschaffung nachhaltiger Güter, wie beispielsweise:
Das Konzept der nachhaltigen Beschaffung basiert auf den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Im Zuge dessen können folgende Bausteine einer umweltfreundlichen Einkaufsstrategie umgesetzt werden:
| Dimensionen | Bausteine |
|---|---|
| Ökologie | Minderung der Treibhausgasemissionen durch die Nutzung von emissionsarmen Technologien und Fahrzeugen sowie die Implementierung von erneuerbaren Energien. Energieeffizienz durch die Beschaffung und Nutzung von energieeffizienten Produkten, wie solarthermische Anlagen zur Warmwasseraufbereitung. Ressourcenschonung durch die Auswahl von Produkten mit beispielsweise recycelten Materialien oder langer Lebensdauer. Einsatz von umweltfreundlichen Materialien, die aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt sind und/oder Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit fördern. |
| Ökonomie | Langfristig reduzierte Kosten aufgrund von Investitionen in energieeffiziente Technologien. |
| Soziales | Faire und sichere Arbeitsstandards bei der Produktion der beschafften Güter, indem Menschenrechte gewürdigt und internationale Arbeitsnormen umgesetzt werden. Förderung der lokalen Wirtschaft, da lokale Lieferanten und Unternehmen favorisiert werden, um die ökonomische Entwicklung vor Ort zu unterstützen. Förderung von Lieferanten, die auf faire Arbeitsbedingungen und Löhne setzen. |
Die Integration von nachhaltigen Strategien in die Beschaffungsmechanismen des öffentlichen Sektors ist mehr als nur eine gesetzliche und ethische Verpflichtung. Sie bietet zahlreiche Vorteile und basiert auf vier zentralen Treibern:
Durch die Implementierung von energiesparenden Technologien bzw. Materialien können langfristig Kosten, beispielsweise für Wartung und Energie reduziert werden.
Produkte, die umweltfreundlich und sozialverträglich sind, schonen das Klima und schützen natürliche Ressourcen. Ein langer Produktzyklus trägt zudem dazu bei, Emissionen zu reduzieren.
Indem die öffentliche Beschaffung nachhaltigere Praktiken in ihre Prozesse integriert, erfüllt sie die gesetzlichen Vorschriften. Gleichzeitig kann sie so das Ansehen verbessern.
Die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in sämtliche Aktivitäten der öffentlichen Beschaffung, kann Verbrauchende dazu ermutigen, ebenfalls umweltfreundlichere Produkte zu konsumieren.
Um der Bezeichnung „nachhaltige Beschaffung“ gerecht zu werden, müssen folgende Kriterien beachtet werden:
Ein umfassendes Lieferantenmanagement befähigt Ihr Unternehmen dazu, Engpässe und Verzögerungen frühzeitig zu erkennen und flexibel darauf zu reagieren. Zudem unterstützt eine kontinuierliche Messung der Performance Ihrer Partner dabei, potenzielle Risiken zu identifizieren und die eigene Versorgungssicherheit zu stärken. So wird die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern verringert und die Stabilität der gesamten Supply Chain gefördert.
In diesem Kontext spielen verschiedene regulatorische Richtlinien eine entscheidende Rolle, die die Einhaltung der Nachhaltigkeitsprinzipien für einen fairen Wettbewerb sicherstellen.
Dazu gehören:
Transparenzvorschriften beziehen sich auf die Berichterstattung und Offenlegung relevanter Daten. Sie betreffen sämtliche Entscheidungen und Handlungen der öffentlichen Hand im Rahmen der Beschaffung.
Die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung spiegelt sich in den gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien wider. Mit der Richtlinie 2014/24/EU wird die Bedeutung der Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialkriterien sowie Innovation in Vergabeverfahren hervorgehoben.
Sie ermutigt öffentliche Auftraggeber, bei der Auftragsvergabe nicht nur den Preis, sondern auch qualitative, umweltbezogene und soziale Aspekte einzubeziehen. Dies ermöglicht eine umfassendere Bewertung der Angebote und fördert den Einsatz nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen.
Die relevantesten Forderungen der Vergabeverordnung (VgV):
Öffentliche Auftraggeber sind dazu verpflichtet, alle Kosten eines Produkts bzw. einer Dienstleistung zu berücksichtigen, die im gesamten Lebenszyklus anfallen. Diese umfassende Kostenbetrachtung soll dazu beitragen, dass finanzielle Ressourcen optimal genutzt und nachhaltigere bzw. wirtschaftlichere Entscheidungen getroffen werden. Zu den anfallenden Kosten gehören beispielsweise Kosten für die Anschaffung, den Betrieb, die Wartung und die Entsorgung.
Die Vergabeverordnung fordert außerdem die Nutzung von Umweltzeichen und -zertifikaten, die von anerkannten Organisationen vergeben werden. Dies steigert die Transparenz für Verbraucher:innen und hilft dabei, die Nachhaltigkeit eines Produkts bzw. einer Dienstleistung nachzuweisen.
Diese Umweltzertifikate stehen unter anderem für die Priorisierung von umweltfreundlichen Alternativen und die Reduzierung der Umweltbelastungen. Sie zeigen, dass der öffentliche Auftraggeber einen expliziten Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leistet.
Öffentliche Auftraggeber sollen technische Spezifikationen festlegen, die umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen bevorzugen, um somit nachhaltige Standards einhalten. Ziel ist es, den Einsatz umweltfreundlicher Produkte zu fördern und Anreize für die Entwicklung sowie Nutzung nachhaltiger Technologien zu schaffen. Gleichzeitig soll Green Washing vermieden werden. Die technischen Spezifikationen umfassen, beispielsweise. den Energieverbrauch, die Emissionswerte des Herstellungsprozesses und die Materialzusammensetzung.
Öffentliche Auftraggeber müssen sämtliche Prozesse, Aufgabenbereiche und Entscheidungen, die sich in ihren Beschaffungsprozessen etablieren, klar und transparent dokumentieren und kommunizieren.
Dies umfasst das Veröffentlichen von:
Diskriminierung und unfaire Praktiken während des Vergabeverfahrens sind strikt untersagt. Es wird verlangt, dass alle Bewerber gleich behandelt werden, sodass Fairness und Chancengleichheit gewährleistet werden können.
Öffentliche Auftraggeber sollen geforderte Qualifikationen und Auswahlkriterien für die Zuschlagserteilung so formulieren, dass sie nicht übermäßig restriktiv sind. Gleichzeitig müssen diese in einem angemessenen Verhältnis zum Auftragsgegenstand stehen. Dies soll gewährleisten, dass der bestmögliche Anbieter gefunden werden kann, der den Bedürfnissen und Zielen des Auftrags entspricht.
Öffentliche Aufträge müssen offen ausgeschrieben werden. Dadurch wird ein fairer Wettbewerb angeregt und stellt sicher, dass die qualifiziertesten Angebote für den Auftrag gefunden und ausgewählt werden können. Hier wird die Teilnahme von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) besonders berücksichtigt, da diese häufig Unterstützung benötigen, um an öffentlichen Vergabeverfahren partizipieren zu können.
Durch eine effiziente Digitalisierung der Vergabeabwicklung wird diese nicht nur beschleunigt, sondern es können auch Fehler reduziert und die Transparenz erhöht werden.
Neben den Forderungen der Vergabeverordnung wurden auch strategische Umweltkriterien definiert, die das Ziel verfolgen, die Umweltbelastung durch öffentliche Beschaffung zu minimieren. Dabei spielen die Ressourceneffizienz, Emissionsreduktion und die Verwendung von nachhaltigen Materialien eine besondere Rolle.
Für die Förderung von nachhaltigen Beschaffungspraktiken im öffentlichen Sektor spielen zahlreiche Schlüsselakteure wie die Allianz für Nachhaltige Beschaffung (AfNB) oder das Kompetenzzentrum Innovative Beschaffung (KOINNO) eine maßgebende Rolle.
Diese Plattform vereint verschiedene Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um Best Practices im Bereich der nachhaltigen Beschaffung zu etablieren. Die AfNB unterstützt den Austausch von Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen zwischen öffentlichen Auftraggebern und Lieferanten. So können nachhaltige Strategien für alle Beschaffungsprozesse entwickelt und verbreitet werden.
Die KNB ist eine zentrale Anlaufstelle für öffentliche Auftraggeber und unterstützt mit Beratungs- und Schulungsleistungen. Zudem bietet sie wirksame Tools, um Nachhaltigkeitsaspekte leichter in Beschaffungsprozesse zu integrieren. Dadurch kann sie effizient zur Erhöhung der Wirksamkeit der öffentlichen Beschaffung beitragen.
KOINNO fördert den Einsatz neuer Technologien und Lösungen im öffentlichen Sektor. Dabei unterstützt es öffentliche Auftraggeber dabei, innovative Produkte und Dienstleistungen anhand nachhaltiger Kriterien zu identifizieren und zu bewerten. So kann das Kompetenzzentrum öffentliche Auftraggeber bei der Umsetzung innovativer Beschaffungsprojekte unterstützen und die öffentliche Beschaffung zukunftsfähiger gestalten.
Öffentliche Auftraggeber müssen einen strategischen Ansatz verfolgen, um eine nachhaltige Beschaffung zu gewährleisten. So lassen sich auch die betrieblichen Prozesse umweltfreundlicher gestalten. Unser Ansatz geht über die bloße Berücksichtigung der Umweltkriterien hinaus und umfasst alle relevanten Schritte zur erfolgreichen Implementierung von Nachhaltigkeitskriterien:
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Jan Laakmann
Partner
valantic Supply Chain & Procurement Consulting
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