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Make or Buy – Eigenfertigung oder Fremdbezug

eine Frau die im Lager eines Warenhauses auf ein Ipad schaut und dort Bestände prüft

Make or Buy ist eine strategische Entscheidung im Unternehmen, die sich mit der Beschaffung von Produkten oder Leistungen beschäftigt. Dabei wird abgewogen, ob diese in Eigenfertigung oder durch externe Dienstleister erbracht werden sollen. Die Make-or-Buy-Entscheidung basiert auf unternehmerischen Zielen, verfügbaren Ressourcen sowie den Marktbedingungen und hat weitreichende Auswirkungen auf das Unternehmen. Sie ermöglicht es, den Fokus auf die Kernkompetenzen zu legen, was die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und eine nachhaltige Unternehmensentwicklung fördert.

Fremdbezug (Buy)

Die Entscheidung für den Fremdbezug ermöglicht eine höhere Flexibilität durch Variabilisierung der Fixkosten. Gleichzeitig birgt sie jedoch das Risiko der Lieferengpässe und Qualitätsschwankungen.

Eigenfertigung/-leistung (Make)

Entscheidet sich ein Unternehmen für die Eigenfertigung/-leistung, geht dies mit höheren Fixkosten und damit Kapitalbindung einher. Von Vorteil ist die geringere Abhängigkeit von Lieferanten.

Welche Ziele verfolgt die Make-or-Buy-Analyse?

Die Make-or-Buy-Analyse fokussiert sich auf eine fundierte und strategische Entscheidungsfindung, welche die langfristigen Unternehmensziele mit Wettbewerbsvorteilen verbindet.

Dabei werden folgende Ziele angestrebt: 

  • Kostenoptimierung: 
    Verschiedene Kostenarten des Make-Szenarios werden mit dem Buy-Szenario verglichen.
  • Qualitätsverbesserung:
    Liegt die Erstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung außerhalb der Kernkompetenzen eines Unternehmens, sollte eine Fremdvergabe geprüft werden. Ein externer Dienstleister kann diese Leistungen oft in besserer Qualität erbringen. Dabei sind Synergiepotentiale aufseiten des Dienstleisters möglich, die eine bessere Qualität bei gleichzeitig geringeren Kosten ermöglichen.
  • Fokussierung auf Kernkompetenzen: 
    Kernprozesse und -produkte sollten nicht ausgelagert werden, da diese eine Abgrenzung vom Wettbewerb darstellen und somit die Marktposition sicherstellen.
  • Risikominimierung:
    Risiken in der Lieferkette sollen eliminiert und die Versorgungssicherheit sichergestellt werden.
  • Steigerung Flexibilität: 
    Anhand der gewählten Strategie soll die Möglichkeit geschaffen werden, flexibel auf Marktbedingungen und Kundenanforderungen zu reagieren.
  • Optimierung Kapitalbindung: 
    Möglichkeiten der Optimierung der Kapitalbindung sowie der Liquidität des Unternehmens werden geprüft.
  • Steigerung der Nachhaltigkeit: 
    Durch den Einbezug von Umweltauswirkungen in den Entscheidungsprozess sollen nachhaltige Unternehmenspraktiken gefördert werden.

Die Make-or-Buy-Entscheidung ist keine rein kostentechnische Abwägung, sondern berücksichtigt auch Faktoren wie den Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Um verschiedene Szenarien quantitativ zu vergleichen, sind eine Operationalisierung und Gewichtung sinnvoll.

Modelle der Make-or-Buy-Analyse

Operative Make-or-Buy-Analyse

In der operativen Make-or-Buy-Analyse liegt der Fokus auf kurzfristigen Einflussfaktoren im Entscheidungsprozess. Dazu zählen Risiken wie Schwankungen in den Produktionskosten oder Lieferengpässe. Kernaspekte in der Entscheidungsfindung sind Kosten, Qualität und Lieferzeiten.

Ein Beispiel für eine  Make-or-Buy-Entscheidung, die mithilfe der operativen Make-or-Buy-Analyse getroffen werden kann, ist die Mitarbeiterverpflegung. Hierbei wird abgewogen, ob die Kantine mit eigenem Personal betrieben oder fertige Gerichte von extern bezogen werden.

Strategische Make-or-Buy-Analyse

In der strategischen Make-or-Buy-Analyse liegt der Fokus auf langfristigen Unternehmenszielen und Strategien sowie dem Kerngeschäft des Unternehmens. Eine Entscheidung wird unter Berücksichtigung langfristiger Risiken wie der Abhängigkeit von Lieferanten, dem Schutz von Betriebsgeheimnissen, der Auswirkungen auf Wettbewerbsvorteil und weiterem getroffen. Kernaspekte in der Entscheidungsfindung sind hierbei die Innovationsfähigkeit, die Flexibilität und die Kompetenzen des Unternehmens.

Ein Beispiel für eine Entscheidung, die mit der strategischen Make-or-Buy-Analyse getroffen werden kann, ist der Wechsel auf Fremdbezug eines Produkts. Dadurch könnte eine gesamte Produktionslinie stillgelegt werden.

Da die Make-or-Buy-Entscheidung auch andere strategische Weichenstellungen beeinflussen kann, ist eine Betrachtung im Gesamtkontext notwendig. So kann die Wahl für Eigenfertigung in einer Situation bedeuten, dass in einer anderen kein weiteres Inhouse-Szenario umgesetzt werden kann.

Make or Buy – So treffen Sie eine fundierte Entscheidung

Diese Abwägung basiert auf den Kernaspekten der operativen und strategischen Analyse. Die folgenden Kriterien werden je nach Zielsetzung unterschiedlich stark gewichtet.

Orientierung an den Unternehmenszielen

Von höchster Relevanz in der Entscheidungsfindung sind die strategischen Unternehmensziele und deren Übereinstimmung mit dem geplanten Vorgehen. Weicht eine Make-or-Buy-Entscheidung von diesen Zielen ab, stellt dies ein Ausschlusskriterium dar. Gerade bei der strategischen Analyse, die sich an langfristigen Zielsetzungen orientiert, muss der hohe Auswirkungsumfang berücksichtigt werden.

Kostenvergleich

Durch einen Kostenvergleich kann eine fundierte Entscheidung getroffen werden, ob die Eigenproduktion oder der Fremdbezug kostengünstiger ist. Wichtig dabei ist, dass alle relevanten Kostenarten abgedeckt werden, um eine TCO-Betrachtung sicherzustellen.

Folgende Kostenarten können dabei betrachtet werden: 

  • Herstellkosten vs. Beschaffungskosten
  • Transportkosten
  • Lagerkosten
  • Kosten für die Qualitätssicherung: Kosten für die Qualitätskontrollen der eigenen Produktion vs. Kosten für die Wareneingangskontrollen
  • F&E Kosten: Kosten für Produktentwicklung sowie Etablierung neuer Technologien
  • Lizenzkosten: Kosten durch den Erwerb von Lizenzen oder Technologien
  • Risikokosten: Kosten im Zusammenhang mit Risiken der internen Produktion (z. B. Anlagenausfälle) vs. Kosten für Lieferverzögerungen oder Qualitätsmängel seitens des Dienstleisters
  • Kosten für Investition und Kapitalbindung (Produktionsanlagen, Lagerkosten für Rohstoffe etc.)
  • Finanzierungskosten
  • Betriebskosten: Laufende Kosten für Gebäude, Versicherungen etc.

Die Make-or-Buy-Formel:

Die Kostenkalkulation für die Eigenfertigung und die Fremdleistung ist auf Basis einer Formel möglich. Neben der Vergleichbarkeit dient sie der Berechnung des Break-Even-Points.

Beachten Sie bei der Anwendung der Formel, dass möglichst viele Kostenarten abgedeckt und einkalkuliert werden. Zudem sollte zwischen Fixkosten und variablen Kosten unterschieden werden. Legen Sie eine Ziel-Stückzahl fest, die Ihnen als Vergleichsgrundlage dient.

Formel zur Kostenkalkulation einer Eigenfertigung: 

KEF = kfix* x + kv 

Zur Kalkulation der Kosten für die Eigenfertigung werden die Fixkosten (kfix) mit der Stückzahl (x) multipliziert und mit den variablen Stückkosten addiert.

Zu beachten ist, dass Fixkosten im Vergleich zu variablen Kosten als unvermeidbare Basiskosten anfallen, die auch bei einer Produktion von 0 anfallen. Außerdem müssen verschiedene Fixkostenarten (z. B. sprungfixe Fixkosten) berücksichtigt werden. Je höher die Stückzahl ist, desto geringer wird der Fixkostenanteil an den Stückkosten.

Formel zur Kostenkalkulation einer Fremdfertigung: 

KFr = kv * x 

Die Kosten für die Fremdfertigung (KFr) werden durch die Multiplikation der variablen Stückkosten, also des Einkaufspreises (kv) mit der Stückzahl (x) kalkuliert.

Fixkosten werden in dieser Formel nicht berücksichtigt, da diese beim Lieferanten/Dienstleister liegen. Auch Staffelpreise können und sollten in der Formel berücksichtigt werden.

Make or Buy grafisches Berechnen

Kostenverläufe aus der Berechnung der Eigenfertigung und des Fremdbezugs können abhängig von der Stückzahl grafisch dargestellt werden.

Der Schnittpunkt der beiden Funktionen stellt den Break-Even-Point dar, an dem die Kosten gedeckt werden. Ist kein Schnittpunkt vorhanden, erfolgt die Make-or-Buy Entscheidung anhand kostentechnischer Überlegungen.

Ein Vorteil der grafischen Darstellung ist die einfache Identifikation der kostengünstigen Zonen für Eigenfertigung oder Fremdbezug.

Graphische Darstellung des Break-Even-Points. Es ist ein XY Graph mit einer linksschiefen Steigung abgebildet

Zeitaufwand

Der zeitliche Aufwand für eine Analyse hängt davon ab, ob es sich um eine strategische oder operative Fragestellung handelt. Für strategische Entscheidungen muss ausreichend Zeit eingeplant werden. Sie orientieren sich an langfristigen Unternehmenszielen und erfordern oft aufwendig zu erhebende Daten wie Prognosen, Annahmen und Marktrecherchen.

Operative Analysen lassen sich meist in einem kürzeren Zeithorizont durchführen, da die benötigten Daten in der Regel mit geringem Aufwand ermittelt werden können.

Ressourcen und Kapital

Die Entscheidung für die Eigenfertigung erfordert nicht nur eine strategische Überlegung, sondern auch eine solide Basis an Kapital und Ressourcen. Die Sicherstellung der Produktverfügbarkeit ist dabei ein zentrales Ziel, das nur durch ausreichende Ressourcen in Art und Menge erreicht werden kann. Um realistische Szenarien in der Make-or-Buy-Analyse abzubilden, ist eine frühzeitige Prüfung der Umsetzbarkeit entscheidend. Dies dient als K.-o.-Kriterium, um nur machbare Eigenfertigung-Optionen zu berücksichtigen.

Ressourcen, die in der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden müssen, können dabei folgende sein: 

  • Personalressourcen
  • Rohstoffe
  • Finanzmittel
  • Lagerflächen und Logistiksysteme
  • Lizenzen und Genehmigungen
  • IT-Systeme und Automatisierungslösungen
  • Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen
  • Wachstumsmöglichkeiten

Falls notwendige Ressourcen in ausreichender Menge nicht vorhanden sind, wird der Fremdbezug bevorzugt. Dies unterstreicht die Bedeutung einer realistischen Einschätzung und verhindert potenzielle Engpässe in der Eigenfertigung.

Produktionsmenge

Die Produktionsmenge spielt eine entscheidende Rolle bei der Frage, ob eine Eigenfertigung oder Fremdbezug für ein Unternehmen wirtschaftlich sinnvoller ist. Insbesondere bei höheren Mengen können Skaleneffekte dazu führen, dass die Eigenfertigung die kostengünstigere Option ist. Dies liegt an der Fixkostendegression. Höhere Produktionsvolumina verteilen die festen Kosten auf eine größere Stückzahl, was zu niedrigeren Fixkosten pro Einheit führt.

Schwankungen in der Nachfrage sind ein weiterer entscheidender Faktor. Bei schwankender Nachfrage können höhere Produktionsmengen zu einem Anstieg des Lagerbestands führen, was die kostenoptimale Produktion beeinträchtigen kann. Niedrige Stückzahlen sprechen tendenziell eher für den Fremdbezug, da hier der Anteil der Fixkosten pro Einheit hoch ist. Dies gilt vornehmlich, wenn die Produkte hoch spezialisiert sind und nicht auf den vorhandenen Produktionslinien hergestellt werden können.

Auswirkungen auf Image und Qualität

Die Entscheidung zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug reicht weit über Kostenüberlegungen hinaus und beeinflusst das Image eines Unternehmens sowie die wahrgenommene Qualität seiner Produkte. Die langfristigen Auswirkungen auf das Image und die Markenwahrnehmung sollten im Entscheidungsprozess ebenso berücksichtigt werden.

Bei der Eigenfertigung behält das Unternehmen eine hohe Kontrolle über den gesamten Produktionsprozess und die Produktqualität. Bei einer Fremdfertigung ist es hingegen auf die Qualitätsstandards des Lieferanten angewiesen.

Eine unternehmenseigene Fertigung kann von Käufer:innen als Qualitätsmerkmal wahrgenommen und positiv mit der Marke verknüpft werden, insbesondere bei einer lokalen oder regionalen Produktion. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Bezug von extern gefertigten Produkten zwangsläufig mit einer negativen Kundenwahrnehmung oder einem Qualitätsverlust einhergeht.

Fremdbezug oder Eigenfertigung – Die Vor- und Nachteile

Eigenfertigung Fremdbezug
Vorteile
- direkte Kontrolle über den gesamten Produktionsprozess und schnelle Reaktion auf Qualitätsprobleme
- Unabhängigkeit von externen Lieferanten


- Authentizität und Stärkung des Markenimage


- Sicherstellung einer konstanten Versorgung mit Produkten für den Leistungserstellungsprozess


- Abhebung von Wettbewerbern durch den Fokus auf Kernkompetenzen
- potenzielle Kosteneinsparungen durch die Nutzung von Skaleneffekte bei den Lieferanten

- Zugang zu externen Fachkompetenzen und Schlüsseltechnologie

- freie Ressourcen im Unternehmen dienen der Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen

- Flexibilität und Reduzierung von Kapitalbindung
Nachteile - geringe Flexibilität aufgrund von Fixkosten

- bei geringeren Stückzahlen fallen tendenziell höhere Kosten an

- Eine breite Verfügbarkeit von Ressourcen ist notwendig für den Produktionsprozess.
- weniger Kontrolle über den Produktionsprozess und die Produktqualität

- hohe Abhängigkeit von Lieferanten mit Auswirkungen auf die Lieferketten

- Verlust von Know-How

Der Unterschied zu Outsourcing

Make or Buy und Outsourcing sind verwandte Konzepte, die strategische Entscheidungen in Unternehmen beeinflussen und ein ähnliches Bewertungsvorgehen erfordern. Jedoch gibt es einen klaren Unterschied:

Make or Buy bezieht sich auf die strategische Entscheidung, bestimmte Produkte oder Komponenten entweder intern herzustellen oder von externen Lieferanten zu beziehen.

Outsourcinghingegen konzentriert sich auf den gesamten Prozess der Auslagerung von übergeordneten Aufgaben, Funktionen und Prozessen an externe Dienstleister.

Mit valantic zur fundierten Make-or-Buy-Entscheidung

Wir begleiten Sie dabei, strategisch kluge Entscheidungen zu treffen – datenbasiert, zielgerichtet und auf Ihre Unternehmensziele ausgerichtet. Gemeinsam entwickeln wir einen Weg, der zu Ihren Stärken passt und nachhaltige Wettbewerbsvorteile schafft.

Bild von einem Industriehafen mit Containern und Kränen, valantic Smart Industries & Supply Chain

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Gereon Küpper

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