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Effiziente Fertigung – die Kunst der Losgrößenoptimierung

eine Frau die im Lager eines Warenhauses auf ein Ipad schaut und dort Bestände prüft

Wann haben Sie zuletzt Ihre im System hinterlegten oder durch das Bauchgefühl Ihres Produktionsplaners festgelegten Produktionslosgrößen hinterfragt? Wer kostenoptimal produzieren will, sollte regelmäßig die Produktionslosgrößen auf den Prüfstand stellen.

Dabei sind Einsparpotenziale, freie Produktionskapazitäten und mögliche Reduktionen des Lagerbestands zu prüfen. Um eine langjährige Routine im Produktionsbereich aufzubrechen und optimierte Lose einführen zu können, braucht es vor allem eins: Zahlen, Daten, Fakten! 

In der Produktion repräsentiert ein Los die Menge an Produkten, die hergestellt werden. Die Wahl der optimalen Losgröße ist entscheidend, um sicherzustellen, dass unter Berücksichtigung aller relevanten Kostenpunkte und operativer Restriktionen effizient produziert wird. Bei der Bestimmung dieser wird ein Gleichgewicht zwischen den Bestandskosten und Rüstkosten angestrebt. Dabei sollte jede Losgrößenoptimierung darauf abzielen, das Gesamtergebnis des Unternehmens zu verbessern und nicht nur abteilungsinterne Belange zu berücksichtigen.

Kleinere Losgrößen sind oft mit geringen Lagerbeständen verbunden, weshalb sie ein klares Ziel der Logistik darstellen. Jedoch führt eine häufige Umrüstung in solchen Fällen oft zu einer geringeren Produktionseffizienz, was nicht im Interesse der Produktion liegt.

Große Losgrößen stellen eine gegenteilige Ausgangslage dar. In Situationen, in denen die Interessen von Logistik und Produktion oft im Widerspruch stehen, ist die optimale Losgröße entscheidend. Ziel bleibt, ein Gesamtoptimum für das Unternehmen zu erreichen.

Ziele des Losgrößenverfahrens

Ziel der Losgrößenoptimierung ist unter Einbezug aller relevanter Positionen kostenoptimal zu produzieren. Zwei wesentliche Kostentreiber sind dabei folgende Faktoren:

Bestandskosten in der Logistik für die Lagerung des produzierten Artikels. Diese umfassen u.a.:

  • Lagerkosten des produzierten Artikels (d.h. beispielsweise die Lagerkosten pro Palette)
  • Shuttlekosten: Transport von Produktionsstandort zu Lagerstandort
  • Handlingskosten
  • Kapitalkosten

Rüstkosten in der Produktion für das Einsteuern und Auflegen des Artikels in den Produktionsablauf. Hierzu gehören u.a.:

  • Kosten der Produktionsmitarbeiter:innen aufgrund des Rüstvorgangs
  • Kosten der Produktionsmitarbeiter:innen für Reinigungsprozesse aufgrund des Rüstvorgangs
  • Kosten für die Prüfung der Qualitätssicherung
  • Kosten eines Materialschwunds, der durch Rüstvorgänge resultiert

Die Summe der Bestands- und Rüstkosten ergibt die Gesamtkosten. Die optimale Losgröße liegt im Gesamtkostenminium.

Graphische Darstellung der Ziele des Losgrößenverfahrens

Perfektionierung der Produktion – durch Optimierung der Losgröße

Bei der Bestimmung einer optimalen Losgröße ist die Differenzierung zwischen Eigenproduktion und Fremdbeschaffung erforderlich. Denn je nach Anforderungen und Gegebenheiten eines Unternehmens setzen die unterschiedlichen Beschaffungsmethoden verschiedene Vorgehensweisen voraus.

Bei der Eigenproduktion liegt der Fokus auf der Optimierung der Produktionslosgrößen, um die Gesamtkosten aus Bestands- und Rüstkosten zu minimieren. Hierfür müssen die Lagerhaltungskosten und die Rüstkosten für Produktionsumstellungen sorgfältig abgewogen werden. Nur so lässt sich die effizienteste Produktionsmenge entwickeln.

Konträr dazu fokussiert sich die Fremdbeschaffung auf die Optimierung der Bestelllosgrößen. Ziel ist es, die Gesamtkosten aus Bestands- und Beschaffungskosten zu minimieren. In diesem Falle werden, zur Bestimmung der wirtschaftlichsten Bestellmengen, die Kosten für die Lagerhaltung und für die Beschaffung berücksichtigt.

Die erwähnten Beschaffungskosten stellen hierbei die fixen Bestellkosten dar, die sich aus den folgenden Faktoren zusammensetzen: 

  • Kosten für die Platzierung der Bestellung
  • Kosten für Kontrolle und Nachverhandlung von Lieferterminen
  • Kosten für Import und Prüfung der Wareneingänge
  • sonstige Kosten wie beispielsweise Bearbeitung von Rechnungen etc.

Losgrößenoptimierung zur Reduktion der Durchlaufzeit

Die Wahl der Losgröße hat zusätzlich auch einen direkten Einfluss auf die Durchlaufzeiten und Bestände in der Fertigungssteuerung. Das bedeutet: Neben der Kostenminimierung kann die Optimierung der Losgröße auch unter dem Aspekt der Durchlaufzeitoptimierung erfolgen. Diese hat zum Ziel, die benötigte Zeit, die ein Produkt von der Auftragserteilung bis zur Fertigstellung durchläuft, zu reduzieren.

Beispielsweise steigt, bei einer kleinen Losgröße, der Anteil der Rüstzeit an der Durchlaufzeit pro Teil. Bei einer hohen Losgröße steigen jedoch die Wartezeiten, wodurch sich die Durchlaufzeit ebenfalls erhöht. Daher muss hier ein optimales Los geschaffen werden, welches dazu beiträgt, die Durchlaufzeit so gering wie nötig zu halten.

Graphische Darstellung der Lagerab- und zugänge

Losgrößenoptimierung – eine Investition in effektives Wirtschaften

Je nach Ergebnis der Losgrößenoptimierung hat die daraus gewonnene Losgröße einen erheblichen Einfluss sowohl auf den Bestand als auch auf die Kosten eines Unternehmens.:

Ergebnis 1: Reduktion der Lose 

Durch die Senkung des Losgrößenbestandes können Lagerkosten reduziert werden. Dies gilt jedoch nur, wenn keine Mindestkapazitäten mit Lagerdienstleistern vereinbart wurden, die unterschritten werden.

Des Weiteren werden bei einem niedrigeren Bestand meist zusätzliche Rüstvorgänge benötigt, wodurch sich die anfallenden Rüstkosten erhöhen würden. Die Bewältigung dessen setzt voraus, dass in der Produktion freie Kapazitäten bei Mensch und Maschine verfügbar sind.

Ergebnis 2: Erhöhung der Lose 

Durch die Erhöhung der Losgröße entfallen erforderliche Rüstvorgänge, was zu niedrigeren Rüstkosten führt. Allerdings werden in solchen Fällen nur Einsparungen erzielt, wenn die Rüstkosten tatsächlich minimiert werden können. Ein Einsparziel setzt meist die Reduktion von Personal voraus, da durch den Entfall der Rüstvorgänge weniger Bedarf besteht.

Die Vorreiter unter den Losgrößenverfahren

Bei der Darstellung von relevanten Losgrößenverfahren sollte zwischen statischen und dynamischen Verfahren differenziert werden.

Statische Verfahren beziehen sich primär auf die Gesamtbedarfsmenge innerhalb eines bestimmten Zeitraums und dienen somit in erster Linie der groben Schätzung der Losgröße. Zu diesen Verfahren gehört beispielsweise das Andler-Verfahren. Andlers Formel zur Berechnung der wirtschaftlichen Losgröße basiert auf dem Minimum der Gesamtkostenkurve. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Gesamtbedarfsmenge während des Zeitraums der Planung konstant bleibt, was jedoch in der Praxis schwer möglich ist.

Dynamische Verfahren, auch als periodische Losgrößenverfahren bekannt, betrachten den Bedarf über einen längeren Zeitraum hinweg. Darauf basierend werden die Losgrößen kontinuierlich neu berechnet. Solche Verfahren sind eher auf die aktuelle Nachfrage ausgerichtet und können sich flexibel an verändernde Bedingungen anpassen.

Zu den entsprechenden Herangehensweisen zählen beispielsweise: 

Die Komplexität der Losgröße

Bei der Festsetzung der optimalen Losgröße können verschiedene Komplikationen auftreten. Diese wären wie folgt:

  • Hohe Komplexität: Die Anwendung einer allgemeinen Formel in Bezug zu spezifischen Fällen kann zu Problemen führen. Denn die meisten Formeln berücksichtigen nicht alle realen Variablen, wie beispielsweise begrenzte Kapazitäten und Zwischenbestände auf den verschiedenen Fertigungsstufen.
    • Begrenzte Kapazitäten: Der Einbezug der Verfügbarkeit von Kapazitäten ist maßgebend für die Losgrößenplanung.
    • Bei Überlastung bestimmter Produktionsstufen können Engpässe und zusätzliche Kosten auftreten.
  • Zwischenbestände: Unsicherheit in der Nachfrage: Unregelmäßige und unvorhersehbare Nachfrageänderungen haben erhebliche Schwankungen in den Lagerbeständen zur Folge, was die Planung der optimalen Losgröße erschwert.

Die Mathematik der Produktion: Ein historischer Exkurs

Im Bereich der Supply Chain Optimierung wurden zahlreiche Formeln entwickelt, um die optimale Losgröße für die Produktion bzw. Bestellung zu ermitteln. Diese Formeln basieren auf verschiedenen Annahmen und Faktoren, jedoch haben alle die Kostenreduzierung zum Ziel.

Zwei relevante und gebräuchliche Formeln sind in der folgenden Grafik abgebildet. 

Darstellung zwei Formeln: Andlerformel und Economic Order Quantity

Experten-Tipps für eine effiziente Losgrößenoptimierung

Unser Fazit

In der heutigen dynamischen Wirtschaftswelt ist es essenziell, die Losgrößen regelmäßig zu überprüfen. Nur so lässt sich eine kosteneffiziente Produktion dauerhaft gewährleisten.

Die Wahl der optimalen Losgröße muss auf einem Gleichgewicht zwischen Bestands- und Rüstkosten basieren. Sie sollte stets auf das Gesamtergebnis des Unternehmens ausgerichtet sein. Sowohl eine hohe als auch eine niedrige Losgröße bieten jeweils Vor- und Nachteile. Diese müssen je nach Unternehmen sorgfältig abgewogen werden.

Die primäre Herausforderung besteht darin, eine klare Balance zwischen Logistik und Produktion herzustellen. Dabei soll ein Gesamtoptimum für Ihr Unternehmen erreicht werden.

Eine Frau die im Lagerhaus steht, einen weissen Kittel trägt und Kartonboxen überprüft

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Dennis Goetjes

Dennis Goetjes

Partner

valantic

+49 211 563875-50

  • Supply Chain Management
  • Sales & Operations Planning
  • Supply Chain Configuration
  • SCM-Organisationen

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