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Agentic Commerce: Der neue Einstieg in den Kaufprozess

Robert Rekece

10. März 2026

Zwei Frauen stehen an einem Stehpult und betrachten gemeinsam einen großen Bildschirm in einem modernen Büro

Der Begriff Agentic Commerce wird derzeit breit diskutiert. Er beschreibt eine Entwicklung, bei der KI-Assistenten nicht mehr nur Informationen liefern, sondern aktiv in Kaufprozesse eingreifen – etwa indem sie Produkte auswählen, vergleichen oder Transaktionen vorbereiten. Im Kern geht es darum, dass solche Assistenten als neue Vermittler zwischen Kunde und Händler auftreten.

Dieser Beitrag fokussiert sich auf die Einbindung dialogbasierter Plattform-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini im bestehenden E-Commerce-Modell – und die Auswirkungen auf den Webshop.

Wenn der Kauf im Dialog beginnt

Eine Kundin startet ihre Produktsuche über einen KI-Assistenten wie ChatGPT, Gemini oder Google AI Mode – etwa mit der Frage nach einem Laptop unter 1’500 Franken. Das System analysiert Anforderungen, vergleicht verfügbare Angebote, berücksichtigt Bewertungen, Preis und Lieferzeit und schlägt passende Optionen vor. Der Kauf kann anschliessend direkt ausgelöst werden oder der Warenkorb im Shop des Anbieters wird vorbefüllt, wo die Transaktion klassisch abgeschlossen wird.

Was hier sichtbar wird, ist weniger ein neues Feature als eine strukturelle Verschiebung: Der Kaufimpuls entsteht zunehmend im Dialog mit KI-Assistenten grosser Plattformanbieter und nicht mehr zwingend im Webshop oder in der traditionellen Suche.

Genau diese Entwicklung adressieren derzeit zwei neue Protokolle: das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass solche Assistenten Produkte nicht nur empfehlen, sondern Transaktionen anstossen oder vorbereitet an Händler übergeben können.

Für Betreiber von E-Commerce-Plattformen stellt sich damit eine zentrale strategische Frage: Welche Rolle spielt der eigene Shop, wenn Kaufimpulse zunehmend im Dialog mit KI-Assistenten grosser Anbieter entstehen?

Um diese Frage einordnen zu können, lohnt sich ein kurzer Blick auf die aktuellen technischen Initiativen im Markt.

Zwei Ansätze, ein Ziel

Sowohl das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI als auch das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google verfolgen dasselbe Ziel: KI-Assistenten sollen aktiv in Kaufprozesse eingebunden werden.

Der Unterschied liegt weniger in der Funktion als im Ausgangspunkt:
ACP entsteht aus einem dialogbasierten Assistenten wie ChatGPT oder Gemini heraus. Der Assistent wird um Commerce-Funktionalitäten erweitert.

UCP hingegen baut auf Googles bestehender Such- und Shopping-Infrastruktur auf und ergänzt sie um KI-gestützte Funktionen, die Produktauswahl und Kaufprozesse direkt in der Google-Umgebung ermöglichen.

Für Händler bedeutet das: Beide Ansätze adressieren denselben Prozess, sind jedoch in unterschiedliche Plattformökosysteme eingebettet.

Damit rückt weniger die Frage in den Vordergrund, welches Protokoll sich durchsetzt, sondern welche Auswirkungen diese Entwicklung auf das eigene Geschäftsmodell hat.

Brauchen wir in Zukunft noch eigene Webshops?

Die zukünftige Rolle des Webshops ist nicht eindeutig vorgegeben. Denkbar sind unterschiedliche Entwicklungen:

  • Webshops bleiben zentrale Infrastruktur und werden über Protokolle wie ACP oder UCP an KI-Assistenten angebunden.
  • Checkout und Transaktionslogik verlagern sich stärker in die Umgebungen der KI-Assistenten, während Händler weiterhin ERP und Fulfilment betreiben.
  • KI-Assistenten entwickeln sich langfristig von Vermittlern zu eigenständigen Handelsakteuren.

Aus heutiger Perspektive spricht vieles dafür, dass der eigene Webshop weiterhin eine tragende Rolle spielt. Diese drei Gründe sprechen dafür:

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Unternehmen sollten prüfen, wie sichtbar ihre Angebote in KI-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini sind und welche strategischen Anpassungen notwendig sind, um dort langfristig präsent zu bleiben.

Bei der Checkout-Integration gibt es kein pauschal richtig oder falsch. Für stark standardisierte Geschäftsmodelle kann ein vollständig im Agenten abgewickelter Checkout Effizienzvorteile bieten. Für markenorientierte oder beratungsintensive Anbieter bleibt der eigene Checkout ein wichtiger Raum für Differenzierung und Kundenbeziehung.

Entscheidend ist weniger das Protokoll als die Flexibilität der eigenen Commerce-Architektur. Modular und integrationsfähig aufgebaute Systeme ermöglichen es, neue agentische Vertriebskanäle zu nutzen, ohne die Kontrolle über die Kundenbeziehung zu verlieren.

Der Webshop verschwindet aktuell nicht. Seine Rolle verschiebt sich vom zentralen Einstiegspunkt hin zum stabilen Fundament eines vernetzten Vertriebssystems.

Sie möchten die Auswirkungen von Agentic Commerce auf Ihr Geschäftsmodell einordnen?

Gerne diskutieren wir mit Ihnen, welche Rolle KI-gestützte Vertriebskanäle in Ihrer Commerce-Strategie künftig spielen können.

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