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Mehr über uns erfahren10. März 2026
Der Begriff Agentic Commerce wird derzeit breit diskutiert. Er beschreibt eine Entwicklung, bei der KI-Assistenten nicht mehr nur Informationen liefern, sondern aktiv in Kaufprozesse eingreifen – etwa indem sie Produkte auswählen, vergleichen oder Transaktionen vorbereiten. Im Kern geht es darum, dass solche Assistenten als neue Vermittler zwischen Kunde und Händler auftreten.
Dieser Beitrag fokussiert sich auf die Einbindung dialogbasierter Plattform-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini im bestehenden E-Commerce-Modell – und die Auswirkungen auf den Webshop.
Eine Kundin startet ihre Produktsuche über einen KI-Assistenten wie ChatGPT, Gemini oder Google AI Mode – etwa mit der Frage nach einem Laptop unter 1’500 Franken. Das System analysiert Anforderungen, vergleicht verfügbare Angebote, berücksichtigt Bewertungen, Preis und Lieferzeit und schlägt passende Optionen vor. Der Kauf kann anschliessend direkt ausgelöst werden oder der Warenkorb im Shop des Anbieters wird vorbefüllt, wo die Transaktion klassisch abgeschlossen wird.
Was hier sichtbar wird, ist weniger ein neues Feature als eine strukturelle Verschiebung: Der Kaufimpuls entsteht zunehmend im Dialog mit KI-Assistenten grosser Plattformanbieter und nicht mehr zwingend im Webshop oder in der traditionellen Suche.
Genau diese Entwicklung adressieren derzeit zwei neue Protokolle: das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass solche Assistenten Produkte nicht nur empfehlen, sondern Transaktionen anstossen oder vorbereitet an Händler übergeben können.
Für Betreiber von E-Commerce-Plattformen stellt sich damit eine zentrale strategische Frage: Welche Rolle spielt der eigene Shop, wenn Kaufimpulse zunehmend im Dialog mit KI-Assistenten grosser Anbieter entstehen?
Um diese Frage einordnen zu können, lohnt sich ein kurzer Blick auf die aktuellen technischen Initiativen im Markt.
Sowohl das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI als auch das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google verfolgen dasselbe Ziel: KI-Assistenten sollen aktiv in Kaufprozesse eingebunden werden.
Der Unterschied liegt weniger in der Funktion als im Ausgangspunkt:
ACP entsteht aus einem dialogbasierten Assistenten wie ChatGPT oder Gemini heraus. Der Assistent wird um Commerce-Funktionalitäten erweitert.
UCP hingegen baut auf Googles bestehender Such- und Shopping-Infrastruktur auf und ergänzt sie um KI-gestützte Funktionen, die Produktauswahl und Kaufprozesse direkt in der Google-Umgebung ermöglichen.
Für Händler bedeutet das: Beide Ansätze adressieren denselben Prozess, sind jedoch in unterschiedliche Plattformökosysteme eingebettet.
Damit rückt weniger die Frage in den Vordergrund, welches Protokoll sich durchsetzt, sondern welche Auswirkungen diese Entwicklung auf das eigene Geschäftsmodell hat.
Die zukünftige Rolle des Webshops ist nicht eindeutig vorgegeben. Denkbar sind unterschiedliche Entwicklungen:
Aus heutiger Perspektive spricht vieles dafür, dass der eigene Webshop weiterhin eine tragende Rolle spielt. Diese drei Gründe sprechen dafür:
Auch wenn KI-Agenten Kaufimpulse auslösen, verbleiben Verantwortung, Risiko und operative Abwicklung beim Händler. Zahlungsprozesse, Bestellmanagement und Retouren müssen weiterhin in den eigenen Systemen orchestriert werden.
KI-Assistenten verändern den Zugangskanal, nicht jedoch die Notwendigkeit einer stabilen, integrierten Commerce-Infrastruktur. Der eigene Shop bleibt damit das operative Rückgrat des Geschäftsmodells.
Unternehmen mit modularen, API-basierten Architekturen sind hier im Vorteil, da sie neue Integrationsformen flexibel anbinden können, ohne ihre Kernsysteme zu ersetzen.
Eine vollständig im Assistenten abgewickelte Transaktion reduziert die Interaktion häufig auf Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeit. Das begünstigt standardisierte, stark vergleichbare Angebote.
Eigene Plattformen ermöglichen hingegen Differenzierung durch Markeninszenierung, Beratung, Zusatzservices oder personalisierte Angebote. Wer den direkten Kundenkontakt besitzt, kann zudem gezielt Upselling, Bundles oder ergänzende Leistungen platzieren und so das Umsatzpotenzial pro Bestellung erhöhen.
Gerade bei erklärungsbedürftigen, konfigurierbaren oder individualisierten Produkten stossen rein katalogbasierte Agentenmodelle an Grenzen. Hier bleibt die eigene Plattform ein zentraler Hebel.
KI-Agenten eröffnen neue Vertriebskanäle. Aktuell positionieren sich die Plattformen dahinter als offene und neutrale Integrationsmodelle.
Gleichzeitig bündeln sie Sichtbarkeit und Teile der Kundenschnittstelle. Je stärker Transaktionen über einzelne Intermediäre laufen, desto relevanter wird die Frage nach Abhängigkeiten, beispielsweise in Bezug auf Reichweite, Platzierung oder Datenzugang.
Eine eigene Plattform schafft hier zusätzlichen Handlungsspielraum. Sie ermöglicht es, agentische Integrationen als weiteren Kanal in eine Mehrkanalstrategie einzubetten, ohne die Kontrolle über die Kundenbeziehung vollständig aus der Hand zu geben.
Unternehmen sollten prüfen, wie sichtbar ihre Angebote in KI-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini sind und welche strategischen Anpassungen notwendig sind, um dort langfristig präsent zu bleiben.
Bei der Checkout-Integration gibt es kein pauschal richtig oder falsch. Für stark standardisierte Geschäftsmodelle kann ein vollständig im Agenten abgewickelter Checkout Effizienzvorteile bieten. Für markenorientierte oder beratungsintensive Anbieter bleibt der eigene Checkout ein wichtiger Raum für Differenzierung und Kundenbeziehung.
Entscheidend ist weniger das Protokoll als die Flexibilität der eigenen Commerce-Architektur. Modular und integrationsfähig aufgebaute Systeme ermöglichen es, neue agentische Vertriebskanäle zu nutzen, ohne die Kontrolle über die Kundenbeziehung zu verlieren.
Der Webshop verschwindet aktuell nicht. Seine Rolle verschiebt sich vom zentralen Einstiegspunkt hin zum stabilen Fundament eines vernetzten Vertriebssystems.
Gerne diskutieren wir mit Ihnen, welche Rolle KI-gestützte Vertriebskanäle in Ihrer Commerce-Strategie künftig spielen können.
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