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SAP Beratung

SAP glänzt in der Cloud – Börsianer reagieren trotzdem enttäuscht

SAP legte in seiner Bilanzpressekonferenz sehr gute Cloud-Zahlen vor und glänzt. Vorstandssprecher Christian Klein sieht noch viel größere Wachstumschancen in der Zukunft. Börsianer reagieren trotzdem enttäuscht. Der schwache Zahlungsmittelzufluss lastet auf dem Geschäftsausblick bis 2025.

28. Januar 2022

Michael Kurzidim

Geschäftsdokumentbericht auf Papier und Tablet mit Verkaufsdaten und Finanzgeschäftswachstumsdiagramm auf Tabellenhintergrund, SAP glänzt in der Cloud

SAP habe geliefert, alle wichtigen Kennzahlen seien übererfüllt worden, so die Reaktion von Analysten auf die Bilanzpressekonferenz, wo der Software-Konzern die Geschäftsergebnisse des vierten Quartals und das Jahresergebnis 2021 präsentierte. Besonders erfreulich hat sich das strategisch wichtige Cloud-Segment entwickelt, das in Q4 noch einmal kräftig zulegte. Das Wachstum sei bei allen Cloud-Lösungen zweistellig ausgefallen, betonte Christian Klein, CEO und Vorstandssprecher der SAP, in seiner Eröffnungskeynote auf der Bilanzpressekonferenz am 27. Januar.

Die präzisen Zahlen: Die Erlöse der Cloud-Sparte stiegen in Q4 um 28 Prozent auf 2,61 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr kletterten die Cloud-Erlöse um 17 Prozent auf 9,42 Milliarden beziehungsweise währungsbereinigt um 19 Prozent auf 9,59 Milliarden Euro nach oben. Damit wurde, so betont SAP, das obere Ende der angepassten Gesamtjahresprognose erreicht. Der Softwareriese gibt damit Gas und führt seine Kunden in die Cloud. Das klassische Software-Lizenzgeschäft, laut vieler Branchenexperten mittelfristig ein Auslaufmodell, ging im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent zurück. Kunden setzen auf digitale Technologien und die Cloud, um ihr Geschäft zu transformieren.

Rise with SAP: 650 Kunden gewonnen

Die Modernisierungs- und Cloud-Initiative „Rise with SAP“ findet laut Aussagen des Unternehmens eine große Resonanz. Seit Start des Angebots im Januar 2021 konnten 650 Kunden gewonnen werden, darunter Unternehmen wie Adobe, Panasonic, die Fresenius AG, IBM, Allianz Technology, Siemens, Samsung SDS und die Software AG.

SAPs Cloud- und In-Memory-Plattform S4/Hana entwickelte sich sehr gut und steigerte die Gesamtzahl der Kunden gegenüber der Vorjahresperiode um 18 Prozent auf über 18.800. In Q4 waren etwa 50 Prozent der gewonnenen Kunden Neukunden.

BPI-Spezialistin Signavio wächst dreistellig

Die kürzlich von SAP akquirierte Process-Mining-Spezialistin Signavio erzielte als Teil des Geschäftssegmentes Business Process Intelligence (BPI) ein ausgezeichnetes Ergebnis. Der sogenannte „Current Cloud Backlog“ wuchs im Gesamtjahr sogar dreistellig. Der Current Cloud Backlog ist eine von SAP Anfang 2020 neu eingeführte Kennzahl, die mehr Transparenz ins Cloud-Geschäft bringen soll. Sie ist eine Unterkategorie der „ausstehenden Verpflichtungen“ und umfasst die vertraglich zugesicherten Cloud-Erlöse, die SAP für die kommenden zwölf Monate auf Basis der zum Stichtag vorhandenen Subskriptionsverträge erwartet.

„Unsere Stärke im Cloud-Geschäft ist offensichtlich. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für SAP, um sich neu aufzustellen, stabile Lieferketten aufzubauen und sich auf dem Weg in die Cloud zu nachhaltigen Unternehmen zu entwickeln. Das beschleunigte Wachstum verspricht noch größere Möglichkeiten in der Zukunft (this is just the beginning)“, prognostiziert CEO Klein.

SAP-Aktie sackt brutal ab

Trotz der sehr guten Zahlen gab die SAP-Aktie im Tagesverlauf der Geschäftsergebnisbekanntgabe stark nach. Börsianer reagierten enttäuscht auf die Prognose der SAP für Barmittelzuflüsse (cashflow), ein Indikator für die Liquidität im Unternehmen. Das SAP-Papier war zeitweise so preiswert wie seit April 2021 nicht mehr. Zwar ist der Absturz auch schwächelnden Technologiewerten und einem insgesamt schwachen Börsenumfeld geschuldet. SAP war jedoch der mit Abstand größte Verlierer im DAX.

SAP-Finanzvorstand Luka Mucic ficht das jedoch nicht an. Er halte die SAP-Aktie angesichts der guten Perspektiven momentan für unterbewertet, sagte Mucic auf der Bilanzpressekonferenz. Er sei sehr zuversichtlich, das für 2025 gesetzte Ziel eines „Free Cashflows“ von acht Milliarden Euro zu erreichen. Der Weg dorthin dürfte jedoch noch weit sein. Für 2021 rechnet SAP mit einem Cashflow, der von 5 Milliarden auf 4,5 Milliarden Euro sinkt.

Verfasst von

Autorenporträt von Michael Kurzidim, Content Marketing Manager bei valantic

Michael Kurzidim

Online-Redakteur / Content Creation Manager, valantic