Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen KI-Erfolg und Governance. Unternehmen mit klaren Zuständigkeiten, ethischen Leitlinien und transparenten Prozessen erzielen bessere Ergebnisse als Unternehmen, die KI primär unter Effizienzgesichtspunkten einsetzen.
Auch regulatorische Rahmenbedingungen werden ambivalent wahrgenommen. Während viele Unternehmen kurzfristige Einschränkungen sehen, erkennt eine Mehrheit das Potenzial klarer Regeln, Vertrauen zu schaffen und langfristig Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Prozent der Entscheider:innen weisen darauf hin, dass Unternehmen, die in ethische, transparente und gut gesteuerte KI investieren, bis 2030 erfolgreicher sein werden als jene, die nur auf Geschwindigkeit und Automatisierung setzen.
Governance und ethischer Umgang sind ein Erfolgsfaktor – aber auch Regulierung?
Die Einrichtung von Governance-Strukturen für KI und Daten zählt zu den TOP-Erfolgsfaktoren beim Einsatz von KI. Mit der richtigen Governance sorgen die Unternehmen für eine ethische und transparente Nutzung intelligenter Anwendungen. Dies ist sehr wichtig, da mehr als 80 Prozent der Befragten darauf hinweisen, dass Unternehmen, die in ethische, transparente und gut gesteuerte KI investieren, bis 2030 erfolgreicher sein werden als jene, die nur auf Geschwindigkeit und Automatisierung setzen.
Ein ethischer Umgang erfordert von den Unternehmen, dass sie Verantwortung für die Auswirkungen des KI-Einsatzes übernehmen. Gerade große Unternehmen, denen es leichter fällt, hierfür Ressourcen bereitzustellen, sollten dies im Blick behalten. Zumindest betonen dies fast vier Fünftel der Befragten.
Für diesen ethischen Umgang, aber auch grundsätzlich für die strategische Auseinandersetzung mit KI benötigen Unternehmen gezielte Verantwortlichkeiten. Das könnten dezidierte KI-Führungskräfte sein. So zeichnen sich – laut etwa 79 Prozent der Befragten – erfolgreiche Unternehmen durch solche Führungskräfte aus. Beispielsweise wäre die Hauptaufgabe eines Chief AI Officers, sich um alle Facetten des Einsatzes intelligenter Anwendungen zu kümmern – einschließlich der erforderlichen Voraussetzungen wie beispielsweise passende Datengrundlage oder notwendige Kompetenzen in der Belegschaft. Auf diese Weise kann ein Unternehmen bestmöglich vom Einsatz der Technologie profitieren.
der Entscheider:innen sind der Ansicht, dass bis 2030 jedes erfolgreiche Unternehmen eine dedizierte KI-Führungskraft – etwa einen Chief AI Officer, Agent Team Lead oder Agent Workforce Lead – benötigen wird, um den wirtschaftlichen und ethischen Wert von KI strategisch zu steuern.
Regulierung als Chance – oder Risiko für Europas Unternehmen?
Beim ethischen Umgang sind nicht nur die einzelnen Unternehmen gefordert, sondern er kann ebenfalls durch passende Rahmenbedingungen unterstützt werden. Eine Rolle spielt hierbei die Regulierung. Beispielsweise hat Mitte März 2024 das Europäische Parlament das Gesetz zur künstlichen Intelligenz (AI Act) verabschiedet.
Im EU AI Act werden Aspekte wie die Urheberschaft der Information und eine Gewährleistung fairer, transparenter und ethischer Algorithmen geregelt. Je nach Risiko, das mit dem jeweiligen KI-System verbunden ist, wird der Einsatz unterschiedlich stark reguliert oder im Extremfall verboten. Halten Unternehmen die Vorgaben wie ein effektives Risikomanagement oder die Sicherstellung von Qualität und (technischer) Dokumentation nicht ein, müssen sie mit Geldstrafen rechnen.
Wenn auch dies dem ethischen Umgang dienen mag, so sieht der Großteil der Befragten die aktuelle Ausgestaltung der Regulierung kritisch für die Wettbewerbssituation von europäischen Unternehmen, die KI nutzen. Beispielweise weisen einige der Expert:innen in den Interviews darauf hin, dass der EU AI Act mit großen bürokratischen Anforderungen und damit einem großen Aufwand einhergeht. Das Ziel mag zwar richtig sein, jedoch passt die Umsetzung nicht.
Allerdings lehnen die befragten Unternehmensentscheider:innen eine Regulierung im KI-Bereich nicht grundsätzlich ab. Ist sie passend aufgesetzt, verbessert sie unter Umständen sogar die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Sie kann Vertrauen schaffen. Partner und Kunden, die mit derartig regulierten Unternehmen im Bereich KI zusammenarbeiten, können etwaige Risiken besser einschätzen.
der Entscheider:innen kritisieren, dass die aktuelle Ausgestaltung der EU AI Act die Wettbewerbssituation von europäischen Unternehmen verschlechtert, die KI nutzen.
der Entscheider:innen erwarten, dass eine adäquate Regulierung von KI in der EU die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen verbessern kann.

Wenn ich den EU-AI-Act aus Sicht eines Unternehmens betrachte, das KI-Anwendungen einsetzt, finde ich die Regulierung durchaus positiv. Sie sensibilisiert für entsprechende Risiken, sodass nicht jegliche Tools einfach genutzt werden. Positiv sind ebenfalls die obligatorischen Trainings und der damit verbundene Wissensaufbau.
Gunnar Weider, SVP Enterprise Architecture, Evonik Industries AG