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Zukunft des E-Commerce: Was kommt nach der Post-Pandemie-Flaute?

Der Post-Pandemie-Schock hat 2022 den E-Commerce im Griff. Die Durststrecke wird aber bald zu Ende sein, prognostiziert statista. Diese Marktsegmente boomen.

23. September 2022

Michael Kurzidim

Adobe Commerce B2B Headerbild mit Geschäftsleuten

Der Umsatz im deutschen E-Commerce-Markt wächst seit der Jahrtausendwende stetig und besonders die Pandemiejahre wirkten wie ein zusätzlicher Booster. Im Jahr 2021 hat der B2C-E-Commerce in Deutschland fast 87 Milliarden Euro umgesetzt, ein Plus von rund 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu den umsatzstärksten Warengruppen im deutschen Onlinehandel zählten die Bekleidung, Elektronikartikel und Telekommunikation. Das Marktsegment Bekleidung machte dabei fast ein Viertel des Gesamtumsatzes im B2C-E-Commerce aus (Quelle: Statista). Besonders junge Erwachsene kaufen gerne online ein. Etwa 39 Prozent der regelmäßigen Online-Käufer*innen gehören der Alterskohorte der 20- bis 39-Jährigen an. Die über 70-Jährigen stellen nur rund sechs Prozent der Online-Shopper.

So weit, so gut. Aber wie geht es weiter mit dem E-Commerce? Christoph Blumtritt, Team Lead Digital Market Outlook bei Statista, gab in einem Live-Webinar Einblick in die kommenden Jahre. Die dramatischen Entwicklungen des laufenden Jahres 2022, so Blumtritt, seien auch am E-Commerce-Markt nicht spurlos vorüber gegangen. Der E-Commerce-Experte spricht vom Post-Pandemie-Schock.

Zwar wirken Wachstumsfaktoren wie die steigende Online-Affinität der Käufer*innen, Covid-19 und ein bequemes Online-Einkaufserlebnis nach wie vor positiv auf den Umsatz im E-Commerce. Dem stehen jedoch dämpfende Faktoren wie die nach wie vor hohen Inflationsraten in Deutschland und der Welt, das sinkende Vertrauen der Verbraucher, schwierige Supply Chains und eine drohende Rezession entgegen.

Dieser Mix führt dazu, dass die Umsätze im E-Commerce weltweit und zum ersten Mal überhaupt im laufenden Jahr 2022 sinken – und zwar prognostiziert um 2,5 Prozent.

E-Commerce: Food & Beverage 2022 im Plus

Aber nicht überall sinken die Umsätze; die Marktsegmente werden durch die dämpfenden Faktoren Inflation und abnehmendes Verbrauchervertrauen unterschiedlich hart getroffen. Während Segmente wie Mode, Elektronik und Möbel 2022 mit Umsatzrückgängen zu kämpfen haben, legen Nahrungsmittel (Food) und Getränke (Beverage) auch 2022 zu, mit einem Plus von 12,5 Prozent respektive 8,6 Prozent allerdings wesentlich moderater als im Vorjahr.

Auch Reiseveranstalter und die Tourismusindustrie erleben im Jahr 2022, nach den entbehrungsreichen Pandemiejahren wenig überraschend, eine Renaissance. Der Umsatz weltweit wird um 46 Prozent von 491 Milliarden US-Dollar (2021) auf 717 Milliarden US-Dollar (2022) steigen. Der weltweite Gesamtumsatz 2019, vor der Pandemie, wird damit aber noch nicht wieder erreicht (2019: 776 Mrd. USD).

Amazon: negative operative Erträge in Folge

Im laufenden Jahr müssen E-Commerce-Anbieter, von einigen wenigen Marktsegmenten und Branchen abgesehen, mit Umsatzeinbußen zurecht kommen. Nahezu alle E-Commerce Player sind davon betroffen und bleiben hinter den Erwartungen zurück. Selbst Platzhirsch Amazon verzeichnet für die drei Quartale Q4 2021 bis Q2 2022 negative operative Erträge (Quelle: Statista). Ursächlich sind neben hohen Inflationsraten auch deutlich gestiegene Kosten für Logistikdienstleistungen.

Christoph Blumtritt von Statista rät E-Commerce-Anbietern, das angespannte Jahr 2022 zu nutzen, um Kosten zu reduzieren, sich mit ihren FinTech-, Advertising- und Logistikpartnern enger zu vernetzen und ihre operationalen Herausforderungen in den Griff zu bekommen. Reibungsverluste entlang der Wertschöpfungskette müssten so weit wie möglich vermieden werden.

Zwar werde die weitere Entwicklung des E-Commerce von vielen Faktoren beeinflusst: Covid-19, regionale Konflikte wie der Krieg in der Ukraine, die Entwicklung der Inflation, Handelskonflikte und die Folgen der weltweiten Klimaerwärmung zählen dazu. Blumtritt sieht jedoch für das kommende Jahr 2023 quer über alle Marktsegmente von Mode, Elektronik, Spielzeug und Hobby bis zu Gesundheit, Haushalt, Nahrungsmittel und Getränke eine deutliche Aufwärtstendenz. Sämtliche Branchen können 2023, unter prognostischem Vorbehalt, wegen der weiter oben aufgeführten positiven Einflussfaktoren, weltweit mit Umsatzzuwächsen rechnen.

Grafik Social Media Selling im E-Commerce
Social Media Selling, dem Verkauf in populären Social-Media-Netzwerken, sagt Statista eine goldene Zukunft mit stark steigenden Umsätzen voraus (Quelle: statista).

E-Commerce-Trend: Social-Media-Verkäufe legen stark zu

Eins zeichnet sich für Blumtritt jedoch klar ab: Verkäufe in den sozialen Medien steht eine vielversprechende Zukunft bevor. In den kommenden Jahren wird Social Media Selling eine immer größere Rolle spielen; von 751 Milliarden US-Dollar in 2022 wird, so die Prognose von Statista, der Umsatz von „Global Social Commerce“ auf 2.620 Milliarden US-Dollar in 2027 ansteigen, ein Zuwachs um 249 Prozent.

E-Commerce-Trend: Metaverse und Virtuelle Realität

Langfristig habe, so Blumtritt, auch das Metaverse ein großes Potenzial, denkt man zum Beispiel an virtuelle Anproben im Bekleidungssektor, an Bezahlmethoden wie Kryptowährungen und an Künstliche Intelligenz im Bereich Customer Experience und Guided Selling. Gleichzeitig rät er zur Zurückhaltung, denn zurzeit sei das Metaverse noch nicht allzu weit über die Konzeptionsphase hinausgekommen.

Verfasst von

Autorenporträt von Michael Kurzidim, Content Marketing Manager bei valantic

Michael Kurzidim

Online-Redakteur / Content Creation Manager, valantic