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Digitalisierung der Wirtschaft in Deutschland

Die Wirtschaft in Deutschland ist 2021 im Vergleich zu 2020 um acht Prozent digitaler geworden. Zu diesem Ergebnis kommt der Digitalisierungsindex 2021, herausgegeben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), der jährlich als Teil des Projekts „Entwicklung und Messung der Digitalisierung der Wirtschaft am Standort Deutschland“ errechnet wird und den digitalen Status quo der deutschen Wirtschaft abbildet.

21. Februar 2022

Quelle: freepik/pch.vector (überarbeitet)

Der Digitalisierungsindex 2021 zeigt, dass die Wirtschaft in Deutschland 2021 im Vergleich zu 2020 fast durchgängig digitaler geworden ist. Zur Erstellung des Digitalisierungsindex für einzelne Branchen werden die unternehmensinternen Kategorien Prozesse, Produkte, Geschäftsmodelle, Qualifizierung und Forschungs- und Innovationsaktivitäten untersucht. Darüber hinaus werden zur Ermittlung des Fortschritts der Digitalisierung weitere, unternehmensexterne Faktoren betrachtet. Dazu gehört die Technische Infrastruktur, Administrativ-rechtliche Rahmenbedingungen, Gesellschaft, Humankapital und Innovationslandschaft. Aggregiert ergeben die Indikatoren einen Indexwert für die Digitalisierung der Wirtschaft in Deutschland insgesamt. Dieser Indexwert wurde für das Jahr 2020 auf 100,0 Punkte normiert und liegt im Jahr 2021 bei 108,0 Punkten. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen sei der wesentliche Treiber der zunehmenden Digitalisierung. Die unternehmensinternen Kategorien steigen im Durchschnitt weniger stark als die unternehmensexternen Indexkategorien.

Große Unternehmen, die Branche der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), die Bundeslandgruppe Süd (Baden-Württemberg und Bayern) sowie Agglomerationen sind den Ergebnissen zufolge deutliche Digitalisierungsvorreiter. Kleine Unternehmen, das Sonstige Produzierende Gewerbe, die Bundeslandgruppe Ost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und die geringverdichteten ländlichen Räume haben am meisten Aufholbedarf.

Es gibt verschiedene mögliche Erklärungsansätze dafür, warum die durchschnittlichen Zunahmen der internen und externen Digitalisierungsaspekte sich unterscheiden. Eine Erklärung ist, dass die äußeren Rahmenbedingungen, die die Unternehmen vorfinden, die Möglichkeiten der Digitalisierung in den Unternehmen determinieren. Eine entwickelte technische Infrastruktur, passende administrativrechtliche Rahmenbedingungen, eine digitalorientierte Gesellschaft, bereitstehendes Humankapital und eine florierende Innovationslandschaft sind Voraussetzungen und Motoren dafür, dass die Wirtschaft intern digitaler werden kann: sowohl in Prozessen, Produkten und Geschäftsmodellen, als auch in der Qualifizierung der eigenen Mitarbeiterschaft und bei den eigenen Forschungs- und Innovationsaktivitäten. Damit die Unternehmen intern digitaler werden können, müssen zunächst die externen Rahmenbedingungen verbessert werden. Dementsprechend zeigen die Rahmenbedingungen, die externen Kategorien, derzeit noch höhere Zuwächse. In Zukunft sind höhere Zunahmen bei den internen Kategorien zu erwarten.

Eine andere Erklärung ist, dass die Corona-Pandemie sich unterschiedlich stark auf die internen und externen Kategorien auswirkt. Unter Umständen hat sich die Pandemie auf die internen Kategorien eher als Digitalisierungsbremse ausgewirkt als auf die externen Kategorien. Dies ist damit zu begründen, dass in den internen Kategorien die unmittelbare Situation der Unternehmen aufgefangen wird, die in der Pandemie durch Unsicherheiten und Kostendruck vielfach Einsparungen vornehmen und Investitionen mindern oder verschieben mussten. Möglicherweise haben viele Unternehmen größere Digitalisierungsprojekte pausiert oder verschoben. Diese Vermutung wird von dem Indexergebnis gestützt, dass vor allem die Prozesse der Unternehmen digitaler werden, ihre Produkte und vor allem Geschäftsmodelle jedoch weniger stark.

Der sogenannte Corona-Digitalisierungsschub kann dementsprechend keineswegs als umfassend bezeichnet werden, sondern betrifft vor allem Prozesse wie das vernetzte Arbeiten, den Informationsaustausch im Unternehmen sowie die digitale Vernetzung mit anderen Unternehmen. Die Digitalisierung einiger Prozesse war für viele Unternehmen in der Pandemie nötig, um arbeits- und konkurrenzfähig zu bleiben. Von einer deutlichen Digitalisierung der Produkte oder sogar Geschäftsmodelle kann bisweilen nicht die Rede sein. Der Fokus der Unternehmen auf die Prozesse ist nicht überraschend, denn gerade für Unternehmen ist es oftmals einfacher und schneller, digitale Prozesse zumindest in Teilen des Unternehmens zu installieren, als ihr Produktportfolio um digitale Produkte zu erweitern oder sogar ihr Geschäftsmodell zu verändern. Die dafür notwendigen Investitionen müssen getätigt werden, bevor sich ein Mehrwert ergibt. Daher sind gerade in Pandemiezeiten im Bereich Geschäftsmodelle in vielen Branchen keine großen Sprünge zu erwarten.

Der Digitalisierungsindex 2022 wird zeigen, welche Trends sich fortsetzen. Insbesondere werden die Zahlen abbilden, ob die Wirtschaft in Deutschland das Momentum des partiellen Digitalisierungsschubs durch die Corona-Pandemie nutzen und ihn zu einem nachhaltigen, umfassenden Digitalisierungsschub machen kann.

Eine vollständige Digitalisierung der Wirtschaft kann dabei nicht das Ziel sein. Nicht alle Unternehmen aller Branchen können und sollen sinnvollerweise digitale Produkte und Geschäftsmodelle anbieten. Der goldene Weg ist abhängig von jedem einzelnen Unternehmen. Um ihn zu finden, müssen Unternehmen experimentieren und prüfen, an welcher Stelle sie digital vorgehen, was sinnvollerweise analog bleibt, und wo das Analoge mit dem Digitalen kombiniert werden kann. Wenn sie diesen Spielraum am Standort Deutschland vorfinden, ist viel erreicht.