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Consulting: Was moderne IT-Berater können sollten

Unser Gastautor Joachim Hackmann, Principal Consultant beim Analystenhaus teknology/PAC, zieht die Quintessenz aus seinen Digitalisierungsprojekten.

19. Dezember 2022

Joachim Hackmann

Bild einer Data Science Beratung mit mehreren Menschen, die an einem Tisch sitzen und diskutieren.

Die IT-Branche hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Innovationen hervorgebracht, die – clever in den Kernprozessen der Unternehmen eingepflanzt – das Potenzial haben, Geschäftsmodelle zu erweitern oder zu verändern. 5G kann zum Beispiel für Innovationen in der Logistik sorgen. Industrie 4.0 kann die Automatisierung auf ein nie dagewesenes Niveau hieven. Die bessere Verarbeitung von Daten, etwa mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Data Analytics, kann neue Wege in der Qualitätssicherung ebnen.

Das alles ist leichter gesagt als getan, denn die Herausforderungen liegen im Detail. Um das Potenzial der Digitalisierung für jedes einzelne Unternehmen heben zu können, bedarf es eines sehr tiefen und guten Verständnisses für die technischen Möglichkeiten digitaler Innovationen à la IoT (Internet of Things), Blockchain, maschinelles Lernen, Data Handling und Quantencomputing. Diese technologischen Grundkenntnisse müssen in jedem konkreten Projekt mit den Besonderheiten des Geschäftsmodells des jeweiligen Unternehmens und den regulatorischen beziehungsweise branchenspezifischen Rahmenbedingungen verwoben werden, um größtmöglichen Nutzen für den Kunden zu schaffen.

Kaum ein Innovationsprojekt kommt vor diesem komplexen Hintergrund ohne externe Hilfe aus. Kunden schätzen das Wissen und die Erfahrung externer Berater, um die vielfältigen Anforderungen sortieren, strukturieren, priorisieren und schließlich auch in konkrete Ergebnisse umsetzen zu können. Entsprechend anspruchsvoll ist das Anforderungsprofil an die Berater, die in derartige Projekte eingebunden werden. Es ist kaum möglich, dass ein einzelner Berater sämtliche der genannten Anforderungen erfüllt, daher sollte hinter jedem in einem Digitalprojekt involvierten Consultant ein Netzwerk von Wissensträgern stehen, die bei Bedarf ihre spezifische Expertise einbringen können.

Das ist keine Frage der Größe der Organisation auf Seiten der IT-Dienstleistungsfirmen, sondern eher eine Frage der strategischen Ausrichtung der beteiligten Dienstleister, ihrer internen Abläufe und ihrer immanenten Ausrichtung auf Innovationen in Bereichen wie Technologie, Methodik, Wissenstransfer und Interaktion sowie Arbeits- und Liefermodelle.

Innovationsprojekte zeichnen sich nämlich in der Regel dadurch aus, dass die Rahmenbedingungen von Beginn an nicht exakt definiert oder gar definierbar sind, nicht zuletzt deshalb werden sie auch in der Regel agil umgesetzt. Während der Projektlaufzeit sind kontinuierliche Anpassungen und Änderungen erforderlich, bei gleichzeitig hohem Engagement aller Beteiligten. Agilität, Flexibilität und Verbindlichkeit müssen sich in den Delivery-Prozessen der IT-Dienstleister widerspiegeln. Immer häufiger können wir zudem beobachten, dass innovative IT-Dienstleister eigene IP in die Projekte einbringen, um Abläufe und Entwicklungsprozesse zu beschleunigen. Das können etwa Implementierungs-Templates, Algorithmen sowie spezifischer Content und Daten sein, die dem Anwenderunternehmen im Rahmen der gemeinsamen Digitalisierungsprojekte bereitgestellt werden.

Nicht minder wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Kunden. Digitale Projekte dringen in der Regel tief in die Geschäftsprozesse der Unternehmen ein und berühren oftmals wettbewerbskritische Bereiche. Sie generieren damit einen enorm wertvollen Erfahrungsschatz, nicht nur beim Auftraggeber, sondern auch beim eingebundenen IT-Partner. Gefragt sind daher vertrauenswürdige Partner, die nicht nur durch technisches Wissen und vertikales Know-how glänzen, sondern auch etablierte, eingespielte Prozesse implementiert haben, die einem Brain-Drain nach Projektende vorbeugen und für einen transparenten Wissenstransfer in Richtung Kunde sorgen. Wo das der Fall ist, sind die Grundlagen geschaffen, um externe Dienstleister als gleichwertige Partner in Innovationsprojekte einzubinden.

Die Anwenderunternehmen sind daher gut beraten, die Auswahl ihrer externen IT-Dienstleister sehr ernst zu nehmen. IT-Consultants müssen heute aktuelle strategische, prozessuale und technologische Kompetenzen vorweisen können, um Kunden bei ihrer digitalen Transformation begleiten zu können. Schon seit vielen Jahren wird die gleichwertige Partnerschaft zwischen Anwenderunternehmen und Dienstleister beschworen – meistens allerdings von Seiten der Dienstleister, selten von Seiten der Kunden.

Consulting – vertrauensvoll, agil, flexibel und kreativ

Der Anspruch ist aber wichtig und richtig, denn gerade bei Digitalisierungsprojekten ist der enge Schulterschluss zwischen Kunden und Lieferanten erfolgsentscheidend und – belegt durch viele Kundenprojekte – auch gewinnbringend für beide Seiten. Möglicherweise kann eine Kooperation, der ein Kunden-Lieferanten-Verhältnis zugrunde liegt, niemals gleichwertig sein. Auf jeden Fall sollte sie aber vertrauensvoll, agil, flexibel, kreativ, interaktiv, versiert und dynamisch sein, um das Bestmögliche aus den Innovationsprojekten herauszuholen. Das sollte der Anspruch bei allen aktuellen Modernisierungsprojekten sein.

Verfasst von

Bild von Joachim Hackmann, Principal Consultant bei teknowlogy|PAC

Joachim Hackmann

Principal Consultant bei PAC

Joachim Hackmann leitet das weltweite Business Application Software & Services Team des Analystenhauses teknowlogy|PAC. Als Gastautor schreibt er regelmäßig über Themen der Digitalisierung.