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TK-Compliance: valantic startet neue Telco Solutions & Services GmbH

Bild von Roland Martinez, Geschäftsführer valantic Telco Solutions & Services, eine telefonierende Frau an einer befahrenen Straße, Handy

Zukunft braucht Herkunft

Mit der neuen Telco Solutions & Services GmbH hat valantic ein neues Competence Center für die Telekommunikationsbranche gegründet. Damit möchte sich valantic TSS noch stärker auf die Belange, Wünsche und Anforderungen der Kunden im Telekommunikationsbereich fokussieren. Wir haben im Interview mit unserem Geschäftsführer Roland Martinez und Stefan Michaelis, verantwortlich für das Business Development, zu den Hintergründen und Plänen der neuen valantic-Gesellschaft gesprochen.

Roland Martinez ist seit sechs Jahren Geschäftsführer in der valantic Gruppe und war in dieser Zeit für die valantic IBS GmbH und zuvor für die cedros Gesellschaft für Datenverarbeitung tätig. Die cedros ging im Oktober 2017 in die valantic IBS GmbH über. Seit vielen Jahren ist Roland nun in beiden Gesellschaften als Partner der Telekommunikationsbranche erfolgreich tätig. Jetzt geht er zusammen mit Stefan Michaelis, einem ausgewiesenen Kenner der Telekommunikationsbranche, sowie einem Experten-Team an den Standorten Siegburg und Leipzig mit der valantic Telco Solutions & Services GmbH (TSS) neu an den Start.

Roland, was hat Euch innerhalb der valantic dazu bewogen, das Geschäft mit den Kunden aus der Telekommunikationsbranche in eine eigene Gesellschaft zu überführen?

Roland: valantic ist seit über 25 Jahren Partner der Telekommunikationsbranche, wenn auch nur in einem kleinen, aber wichtigen Bereich, der TK-Compliance. Mit der neuen Gesellschaft möchten wir uns noch viel stärker in diesem Bereich fokussieren.

Viele Kunden haben sich in den letzten Jahren dazu entschieden, die von uns entwickelten TK-Compliance-Lösungen und -Services einzusetzen. Das ermutigt uns mittels einer Wachstumsstrategie das Geschäft weiter auszubauen. Unser Team und unser Management haben mit der Gründung der neuen Gesellschaft die Möglichkeit, die volle Aufmerksamkeit auf die Stärkung und den Ausbau des bestehenden Lösungsportfolios zu richten und neue, für die Branche relevanten Lösungen und Services bereit zu stellen.

Was hat Dich persönlich motiviert, diesen Schritt als Geschäftsführer aktiv mit zu gestalten und zu verantworten?

Roland: Über Allem steht zunächst neben der fachlichen Expertise die persönliche Leidenschaft für die Telekommunikationsbranche. Für mich ist diese eine der interessantesten Branchenmärkte in der derzeitigen Debatte rund um die Digitalisierung. In den letzten Wochen ist das unmittelbar erlebbar geworden. Noch nie ist die große Bedeutung einer hochleistungsfähigen TK-Infrastruktur für Wirtschaft und Politik, für die Digitalisierung und selbst für das soziale Leben im engen Familienkreis so deutlich geworden.

Bevor ich bei valantic geschäftliche Verantwortung übernommen habe, konnte ich in den acht Jahren für die Deutsche Telekom eine Menge spannende Erfahrungen sammeln. Aktuell wird die branchenübergreifende Digitalisierungswelle insbesondere dadurch getrieben, dass neue Technologien wie 5G oder der flächendeckende Ausbau mit Glasfasertechnologie völlig neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle für Unternehmen eröffnet. Unternehmen, die ihre digitalen Hausaufgaben im Bereich der eigenen Infrastruktur gemacht haben, sind in der aktuellen Krise dazu in der Lage, zum Beispiel mit Hilfe von modernen Collaboration Tools den Geschäftsbetrieb durch Home Office weitestgehend aufrecht zu erhalten ohne große Anstrengungen unternehmen zu müssen.

Was genau steckt hinter der neuen Gesellschaft Telco Solutions & Services?

Roland: Etwas generisch würde ich es so beschreiben: Wir als Dienstleister der Telekommunikationsunternehmen helfen in Deutschland und der DACH Region den öffentlichen Ermittlungsbehörden bei der Verhinderung bzw. der Aufklärung von Straftaten. Wir unterstützen den Staat gemeinsam mit unseren Kunden dabei, die Sicherheit unseres Landes zu gewährleisten. Aufgrund der derzeitigen Sicherheitslage in Deutschland kommt dieser Aufgabe eine große Bedeutung zu.

Wie geschieht das genau? TK-Unternehmen sind auf Anfrage von Ermittlungsbehörden verpflichtet, notwendige Auskünfte über Bestands- und Verbindungsdaten ihrer Kunden elektronisch mitzuteilen. Bei der Ermittlung und Verfolgung von besonders schweren Straftaten, wie beispielsweise Kinderpornografie, schweren Gewaltverbrechen, Terror etc., kann das auf Basis eines richterlichen Beschlusses bis zu einer Überwachung von Telefon, Internet- und E-Mail-Verkehr durch die Ermittlungsbehörden führen. Die gesetzliche Verpflichtung der Unternehmen ist durch das Telekommunikationsgesetz geregelt. Die Anforderungen an die Umsetzung unter hohen Sicherheitsauflagen erfolgt im Rahmen von technischen Richtlinien, die Unternehmen wie valantic, die als Erfüllungsgehilfen und als IT-Dienstleister in diesem Bereich tätig sind, beachten müssen.

Welche konkreten Lösungs- und Service-Angebote bietet Ihr Euren Kunden am Markt an?

Stefan: Wir haben vor drei Jahren ein hochmodernes Behörden-Beauskunftungssystem entwickelt, welches die relevanten Prozesse und die Kommunikation mit den Behörden digital abwickelt. Je nach Größe und Menge der anfallenden Beauskunftungen und Maßnahmen kann das System manuell oder durch hochautomatisierte Integrationsprozesse die gesetzlich geforderten Informationen bereitstellen.

Im Falle der Automatisierung greifen wir auf bestehende CRM-Systeme, Data Warehouse und Vertrags- und Billing-Systeme zu und stellen die notwendigen Informationen über kundenspezifische Schnittstellen zur Verfügung. Die Unternehmen können die gesetzlich geforderten Beauskunftungen oder Schaltungen von Überwachungsmaßnahmen dann mit Hilfe unserer Software-Lösungen durchführen. Entweder sie greifen dabei auf eigene Mitarbeiter zurück, die unsere Lösung on premise oder über ein Software as a Service Modell nutzen, oder sie lassen, wie von vielen Kunden präferiert, den kompletten Prozess durch valantic wahrnehmen. Das schafft Freiräume für die eigentlichen Aufgaben in einem Telekommunikationsunternehmen.

Welchen Stellenwert nehmen dabei die Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse ein?

Roland: Die Bereitstellung der notwendigen Beschlüsse seitens der Behörden erfolgt auch heute leider noch vereinzelt über Fax und auf analogem Weg. Unsere Systemlösung verfügt über alle existierenden Eingangskanäle und digitalisiert Vorgänge für die weitere Bearbeitung, zum Beispiel auch über die Anbindung eines Fax Servers. Die externe Kommunikation mit Behörden wird über eine genormte elektronische Schnittstelle geregelt, deren Nutzung zwischenzeitlich für die Beauskunftung von Verkehrsdaten verpflichtend geworden ist. Durch einen möglichst durchgängigen digitalen Prozess ohne Medienbrüche, bis hin zur Abrechnung der Tätigkeiten gegenüber den Behörden, lässt sich der zeitliche Aufwand und die damit verbundenen Durchlaufzeiten deutlich verbessern.

Die Automatisierung kommt besonders dort ins Spiel, wo es darum geht, eine größere Anzahl von Vorgängen bewältigen zu müssen. Hier ist oftmals die aufwendige manuelle Recherche in mehreren unterschiedlichen internen Systemen des Kunden notwendig und die Beschaffung der Informationen sehr aufwändig. Hier entwickeln wir für unsere Kunden die notwendigen Schnittstellen und stellen die Daten den Behörden durch das Beauskunftungssystem automatisiert zur Verfügung. Das hilft dabei die notwendigen Personalressourcen bei der Erhebung der Informationen zu schonen und stellt die fehlerfreie Bereitstellung der Daten durch die Vermeidung von Medienbrüchen sicher.

TK-Compliance-Lösungen und -Services made by valantic gibt es seit zwei Jahren auch als Software as a Service (SaaS) für eure Kunden. Was sind die Vorteile gegenüber einer „on premise-Lösung“, also einer Installation beim Kunden vor Ort?

Roland: Wir haben uns dazu entschieden, die von uns entwickelten Lösungen und Services auch für kleinere und mittlere TK-Unternehmen nutzbar zu machen. Diese unterliegen ebenfalls den gesetzlichen Verpflichtungen. Aufgrund der geringen Anzahl an Vorgängen und der damit verbundenen niedrigen Vergütung durch die Behörden müssen sie einen vergleichsweise hohen Invest tätigen, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.

Deshalb stellen wir die Lösung auch als innovative SaaS-Lösung und als Business Prozess zur Verfügung. Das vermeidet für unsere Kunden hohe Investitionen in die Bereitstellung der notwendigen technischen Infrastruktur und der Prozesse (7×24 Stunden Betrieb, sicherheitsüberprüftes Personal, Auditierungen, Sicherheitskonzepte etc.). Bei valantic kommt die Bereitstellung aus einem durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) zertifizierten und durch jährliche Kunden-Audits überprüften Betriebszentrum, das auf Wunsch auch den notwendigen Business Prozess zur Verfügung stellt. Dies ermöglicht unseren Kunden sich auf ihr Kerngeschäft, etwa dem notwendigen Ausbau der Netzinfrastruktur zu konzentrieren, gleichzeitig aber alle gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.

Was sind neben den TK-Compliance-Themen die wesentlichen Treiber in Eurem Geschäft?

Roland: Ein weiterer Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt auf der Digitalisierung von Geschäftsprozessen und der Modernisierung von Software-Applikationen. Nach unserer Kenntnis nutzen viele TK-Unternehmen zur Unterstützung Ihrer Kernprozesse unterschiedliche IT-Systeme, die oftmals auf nicht mehr zeitgemäßer Software-Architektur aufsetzen. Notwendige Änderungen sind kostspielig und nur aufwendig modellierbar und durch inzwischen in Teilen fehlendem Know-how nur noch schwer durchführbar.

Oder auch durch Zusammenschlüsse und Übernahmen in den letzten 20 Jahren hat sich die Branche stark gewandelt. Das hat insbesondere bei großen Anbietern zur Folge, dass es oftmals diverse parallel existierende Applikationen für dasselbe Thema gibt. Beispielhaft ist dafür die Koexistenz von mehreren CRM-Systemen, eines für Mobilfunk-, eins für Festnetz- und eins für Kabel-Kunden. Somit entsteht eine zunehmende Herausforderung in der Pflege und der Interoperabilität der Systeme.

Es entstehen Risiken im Bereich der KPI-basierten Unternehmenssteuerung, der Business Kontinuität und der Fähigkeit, sich auf schnell verändernde Kunden- und Marktanforderungen einstellen zu können. Letzteres hat eine direkte Auswirkung auf den Geschäftserfolg der Unternehmen in einem hart umkämpften Markt wie der Telekommunikation.

Die Kern-DNA der valantic TSS ist die Entwicklung von fachbereichsspezifischer Software und die Modernisierung bestehender Applikationen. Durch unsere umfangreiche Erfahrung im Software Engineering auch bei unseren eigenen Produkten und einem tiefen Verständnis für die Prozesse der Telekommunikationsbranche sind wir in der Lage, schnell und effizient  Transformation umzusetzen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung der Unternehmen zu leisten.

Welche Expertise dürfen die Kunden darüber hinaus zukünftig in der valantic Telco Solutions und Services von Euch erwarten?

Stefan: Ein schönes Beispiel für neue digitale Anwendungen im Bereich TK-Compliance ist die Entwicklung der valantic Computer Emergency Response Team (CERT)-Lösung. Diese wird es unseren Kunden ermöglichen, die täglich anfallenden Meldungen des CERT Bund zu virenbefallender IP-Adressen automatisiert zu verarbeiten. In diesem volumenintensiven und Telekommunikationsgesetz-(TKG)-relevanten Prozess, werden die Benachrichtigungen der Behörde geprüft und die betroffenen Kunden elektronisch informiert. Das TK-Unternehmen muss innerhalb einer Frist prüfen, ob durch den Kunden entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen wurden, was eine Wiedervorlage bedingt. Dies geschieht heute immer vielfach noch manuell ohne die zur Automatisierung notwendigen Schnittstellen. Digitalisierung bedeutet jedoch nicht nur die Prozesse zu automatisieren und Software zu modernisieren, sondern auch über den Tellerrand hinaus in die Zukunft zu blicken.

Dann lasst uns doch mal über den Tellerrand hinausblicken. Welche neuen Technologien können heute bereits für welche Aufgaben genutzt werden und schaffen damit einen Mehrwert für eure Kunden?

Roland: Exemplarisch dafür ist der Einsatz digitaler Assistenten, die mittlerweile durch Consumer Lösungen wie Amazon Alexa oder Siri bekannt sind und eine immer größere Akzeptanz erfahren. Die dahinterliegenden Technologien (NLU/NLP) zur Spracherkennung und Sprachsteuerung sind mittlerweile wesentlich leistungsfähiger und somit auch für unterschiedliche Geschäftsprozesse bei TK-Unternehmen einsetzbar. So können diese sogenannten BOTs die Mitarbeiter im Customer Care unterstützen und einfache wiederkehrende Aufgaben kanalübergreifen (Chat und Voice) übernehmen, wie Passwort Resets oder die Beantwortung von FAQs. Das schafft Entlastung im Call Center, insbesondere in Lastspitzen und ermöglicht den Call Center Agents sich auf werthaltige Service-Anfragen zu fokussieren und zu spezialisieren. Die Verantwortlichen unterstützt es bei der Steigerung der Self-Service Rate und des Net Promotor Scores. valantic TSS hat sich auf die Einführung und den Betrieb dieser digitalen Assistenten spezialisiert und berät die Unternehmen bei der Auswahl von BOTs und dem Design der Sprachführung.

Stefan: Interessant ist dabei die Integration in bestehenden IT-Landschaften durch die Anbindung von Social-Media-Kanälen, CRM-Systemen, Vertriebs-Applikationen wie Salesforce und diverser SAP Modulen. Letzteres bieten wir für die unterschiedlichen Bereiche, wie Finance, Human Ressources und Customer Experience der TK-Branche aus der valantic Gruppe, einer der SAP-Spezialisten auch für Telekommunikationen-Unternehmen.

Herzlichen Dank euch Beiden für das umfangreiche und ausführliche Gespräch!

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