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ISO 20022: Trotz Aufschub bleibt keine Zeit zu verlieren

Foto von Dirk Vesper, Vice President Product Development bei valantic, daneben Bild von einer Grafik und dahinter Bilder von Post It's und von einem Gebäude

5 Fragen an… Dirk Vesper

SWIFT hat sich dazu entschieden, den Start der anstehenden ISO 20022-Migration um ein Jahr, auf November 2022, zu verschieben. Was bedeutet das für die Finanzbranche?

Wie in vielen anderen Branchen leidet die Finanzindustrie auch unter der aktuell vorherrschenden Situation, hervorgerufen durch die drastischen Umbrüche in der Arbeitswelt durch Homeoffice und alles rund um Corona. Dadurch sind andere Prozessänderungen zunächst weiter nach vorne gerückt. Die Entscheidung, den Startschuss weiter nach hinten zu verlegen, ist verständlich, soll aber nicht dazu dienen, die Banken und Finanzinstitute in trügerischer Sicherheit zu wähnen. Denn die EZB hat die Migration von Target2 auf ISO 20022 nach wie vor für November 2021 eingeplant. Das bedeutet, dass sich auch Banken nach wie vor auf eine Migration vorbereiten müssen. Es gilt, den Fokus weiter auf den gemeinsamen Kommunikationsstandard zu halten, um weiter geschäftsfähig zu sein und keine Zeit zu verlieren.

Können die Banken durch die Verschiebung nun noch einmal etwas durchatmen?

Nein, ganz im Gegenteil. Bisher konnten sich Banken auf eine „große“ ISO-Migration einstellen und diese umsetzen. Target2 migriert in einem Big Bang im November 2021 und SWIFT sollte ursprünglich zeitgleich mit einer Übergangsphase beginnen. Es war theoretisch also möglich, ab November 2021 nur noch ISO 20022-Nachrichten zu verarbeiten.
Durch die Verschiebung von SWIFT sind die Banken nun gezwungen, für ein Jahr parallel zwei Formate verarbeiten zu müssen. Die Komplexität verschärft sich dadurch nochmals.

Regulatorische Vorgaben werden verordnet – steckt hinter dem Standard auch eine Chance für die Banken?

Gesetzliche Vorgaben haben nicht immer ein gutes Image – das gilt auch in diesem Fall. Aber Banken haben in den vergangenen Jahrzehnten weit weniger Fortschritte in der Digitalisierung gemacht als es sinnvoll wäre. Gleichzeitig sinken die Margen und der Kostendruck steigt – und auch die Globalisierung schreitet immens fort. Die bisherigen Prozesse ließen keine echte „End-to-End“-Verarbeitung in den Prozessketten zu. Mit ISO 20022 bestehen nun zahlreiche Möglichkeiten, Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren. Gleichzeitig müssen Banken zahlreiche Prüfungen vornehmen – Betrugsprüfung, Embargoprüfung, auch Reklamationen müssen bearbeitet werden. Das ist einfacher und kostengünstiger über die elektronische Verarbeitungskette möglich. Wenn alle Geschäftspartner den gemeinsamen Sprachstandard vollumfänglich nutzen, bietet sich eine Vielfalt an Vorteilen. Eine Voraussetzung, um die Potenziale tatsächlich heben zu können, ist hierbei sicherlich der Einsatz adäquater Softwarelösungen.

Was spricht gegen Konvertierungslösungen, die in den Banken einfach als Modul vorgeschaltet werden?

Mit reinen Konvertierungslösungen ist der Branche kaum geholfen, dadurch würde die Qualität der Daten nur verwässern. Beide beteiligten Institute müssten konvertieren, möglicherweise ist eine dritte Instanz zugeschaltet, die ebenfalls konvertiert. Wer kann sicherstellen, dass hier wirklich alle Beteiligten eine identische Datenbasis nutzen können? Das kann nicht gewährleistet werden. Außerdem liegt die finale Verantwortung für die Ergebnisse der Konvertierung bei den Banken selbst – das bedeutet: Hat die Bank einen Fehler gemacht, trägt sie auch die Konsequenzen.

Welche weiteren Potenziale verbergen sich hinter dem neuen Kommunikationsstandard?

Generell bietet die Digitalisierung hier tatsächlich einige Chancen, die bei Banken vielleicht noch nicht klargesehen werden. Es fallen täglich Datenmengen an, die für wesentlich mehr geeignet sind als nur zur Ablage. Und hier hilft der gemeinsame Standard ebenso – denn die Daten liegen bei jeder Bank in identischem Format vor. Wir von valantic sind mit unseren Produkten bereits jetzt darauf vorbereitet und sprechen schon komplett ISO 20022.

In bereits naher Zukunft wird Künstliche Intelligenz auch eine Wertschöpfung aus Transaktionsdaten möglich machen und auch der Bankkunde lässt sich mehr in die Prozesse integrieren und digital anschließen. Die Einbindung von Portalen und Kundenbanksystemen in die Abwicklung von Transaktionen ist ein wichtiger Baustein davon. Bereits jetzt unterstützen unsere Anwendungen die neuen Anforderungen. Generell gilt: trotz Aufschub keine Zeit zu verlieren.

Bild einer Zeitschrift, valantic Whitepaper

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