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Die Chance in der Coronakrise ergreifen – 6 Fokusfelder in der Digitalisierung

Bild von Urs Haeusler und Marc Philipp, valantic CEC Schweiz, Post-its an einem Whiteboard, Handy, Tablet, digitale Strategien

Unternehmen, die ihre Digitalstrategie einst in ein- bis dreijährigen Phasen erneuert haben, müssen ihre Initiativen nun innerhalb kurzer Zeit umsetzen. Befragungen zeigen, dass 70% aller DACH-Unternehmen erwarten, dass die Coronavirus-Pandemie das Tempo der digitalen Transformation beschleunigen wird.

Gerade in dieser außerordentlichen Zeit sind die Hürden für Experimente in den Märkten, den Unternehmen und der Öffentlichkeit gefallen und bieten eine Möglichkeit schnell zu lernen und sich zu adaptieren.

Es sind Mut und Kreativität, aber auch vorausschauendes Handeln gefragt. Mit der richtigen Strategie kommen Sie gestärkt aus der Krise.

Sehen Sie das auch so? Dann behalten Sie folgende sechs Fokusfelder im Blickfeld, um Ihr digitales Business zu entwickeln:

1. Digital Value Proposition

Nutzen Sie die Möglichkeit, neue digitale Produkte und Services zu lancieren und zu testen. Eine sehr empfehlenswerte Methode ist das Lean-Startup-Prinzip: Build, Measure, Learn. Die Methode sieht die schnelle Entwicklung von Prototypen, dann die Lancierung und Messung der Marktreaktion und schließlich die Adaption der Initiative vor. Dabei kann es sich um neue Produkte, Dienstleistungen, Geschäftsmodelle oder Kundenbindungsstrategien handeln.

Um das Angebot zu erweitern oder an die Bedingungen anzupassen, können eigene bestehende Plattformen genutzt werden. Ein Schweizer Industrieunternehmen nutzte diese Möglichkeit, um für seine B2B-Kunden ein E-Learning-Portal über das Open-Source-System “Moodle” zu entwickeln und schrittweise zu veröffentlichen. Händler sowie auch Endkunden können dieses für Produktetrainings nutzen.

2. Marketing und Vertrieb

Die Interaktion mit dem Kunden hat sich über Nacht verändert: Messen, Konferenzen und weitere physische Kontaktpunkte sind weggefallen. Die Kommunikation über digitale Medien (E-Mail-Marketing, Webinare oder soziale Medien) wird somit unerlässlich. Zwar stellen analoge Kanäle weiterhin relevante kontaktlose Kanäle für B2B-Unternehmen dar, doch Online-Markting erlaubt eine gezieltere, persönlichere und vor allem regelmäßigere Kommunikation.

Durchschnittlich hat die Präferenz für Transaktionen über digitale Kanäle im B2B-Sektor in Deutschland um 50% zugenommen, während gleichzeitig 50% der Marketingbudgets in Unternehmen gekürzt wurden. Online-Marketing ist dadurch zurzeit doppelt effizient: Mitbewerber werben weniger und zusätzlich sind mehr potenzielle Kunden online. Unternehmen, die noch keine digitalen Vertriebskanäle besitzen, können sich kurzfristig Marktplätzen anschließen und mittel- bis langfristig eigene digitale Vertriebskanäle entwickeln.

3. Customer Experience Management (CEM)

Durch den reduzierten persönlichen Kontakt mit dem Kunden liegt der Fokus des CEM auf digitalen Touchpoints. Erklärungsbedürftige Produkte gilt es detailliert zu erklären, sei dies über Videos, Chats oder per Telefon. Die Informationsfindung soll klar und ersichtlich sein. Falls eine persönliche Betreuung wichtig ist, soll diese weiterhin durch Nutzung digitaler Tools sichergestellt werden. Führende Unternehmen werden weiterhin das Kundenverhalten und die -zufriedenheit messen.

Ein Beispiel zeigt ein weiterer Schweizer Non-Food-Detailhändler: Innert kurzer Zeit hat das Unternehmen, neben dem bestehenden Onlineshop, zusätzlich eine Videoberatung für seine Produkte angeboten. Kundinnen und Kunden können somit trotz geschlossener Filialen nötige Informationen zur Entscheidungsfindung erhalten.

Infografik B2B Strategieframework
B2B-Strategieframework, Quelle: valantic

4. IT- und E-Business Applikation Architektur

Die Verschiebung der Interaktion über digitale Kanäle ist im Nu passiert. Diese Entwicklung kann die dahinterliegenden Systeme beanspruchen und zur Überlastung führen. Als Konsequenz werden Stärken und Schwächen der gesamten Architektur ersichtlich. Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre gesamte IT-Architektur zu prüfen und entsprechende Lücken zu identifizieren.

Ein deutscher Kaffeemaschinenhersteller betrieb einen über die Jahre gewachsenen monolithischen E-Shop, dessen Betriebskosten durch das Wachstum über die Jahre in die Höhe schnellten. Im Rahmen von Corona-bedingten Kostenoptimierungsprojekten wurde die bestehende E-Commerce-Systemlandschaft radikal, ohne Berücksichtigung der Legacy, modernisiert und vereinfacht. Binnen 14 Tagen gelang die Ablösung der Systeme, einem Best-of-Breed-Ansatz (SaaS) folgend. Die Kosten reduzierten sich um über 70% während der Umsatz stieg.

5. Logistik und Fulfillment

Unternehmen stehen immer wieder vor der Herausforderung, Lieferverpflichtungen einzuhalten. Besonders jetzt entstehen Lieferengpässe von Gütern und die Abhängigkeit von Lieferpartnern steigt. Um Ihr Risiko zu diversifizieren und darzustellen gilt es verschiedene Informationen von Lieferpartnern auf einer zentralen Plattform zu aggregieren und daraus Analysen, Krisentests und Prognosen abzuleiten.

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage hat ein Schweizer Food-Detailhändler in kürzester Zeit ein neues Verteilzentrum eröffnet und an die bestehenden Warenmanagement- und ERP-Systeme gebunden. Für einen weiteren Kunden konnten wir mittels eines cloudbasierten Tools «Connected Chain Managers» die verschiedenen Lieferanten und Logistikprozesse auf einer Plattform aggregieren, sodass ein besseres Abbild der IST-Situation geschaffen werden konnte. Dies diente als Grundlage, um die Lieferketten neu zu definieren und Lieferengpässe zu vermeiden.

6. Organisation und Transformation

Das Homeoffice und die interne digitale Kommunikation sind zur Normalität geworden. Einige Mitarbeiter*innen werden von diesen Möglichkeiten nach vollständiger Auflockerung der Maßnahmen weiterhin profitieren wollen. Nutzen Sie diese Zeit, um Organisationsstrukturen zu überdenken und nehmen Sie diese Erfahrungen für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens mit. Die Transformation zu agilen Teams setzt einerseits eine Anpassung der Arbeitsweise und Mentalität der Mitarbeiter*innen, andererseits auch eine gute technische Infrastruktur voraus. Dazu müssen Unternehmen mit wertvollen und sensiblen Daten insbesondere das Thema Security beachten.

Beim Aufbau eines E-Business-Teams hat ein Baumaterialhändler schon vor der Krise darauf geachtet, dass man nach agilen Methoden arbeitet und direkt der Geschäftsführung unterstellt ist. Damit werden in Zeiten von Krisen Flexibilität und kurze Entscheidungswege sichergestellt. Gleichzeitig werden die digitalen Teams an unterschiedlichen Projekten eingesetzt, um dadurch neue Perspektiven und Ideen zu erhalten. Schließlich hat der Händler in dieser Krise die Ressourcen für das digitale Team verstärkt.

Wir empfehlen Ihnen unter diesen Umständen vor der konkreten Implementierung, Szenarien für ihre Zukunft zu malen (siehe Teil «Vision» und «Ziele» in Abb. 1) und Ihr Handlungsbedarf entlang den erwähnten sechs strategischen Fokusfeldern zu erfassen. Diese dienen als Basis, um ein holistisches Abbild für Ihre Digitalstrategie zu entwickeln. So ist sichergestellt, dass die nachfolgende Implementierung auch zukunftsfähig ist und die Investitionen nachhaltig Wert schaffen.

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